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19. April 2013

„Inklusion darf nicht scheitern“

 

 

Gemeinsam haben Elternverbände in NRW den folgende Brief an alle Lehrerinnen und Lehrer in NRW verfasst.

Seit nunmehr 30 Jahren kämpfen wir Eltern von Kindern mit Behinderung für gemeinsames Lernen und gegen den Zwang zur Sonderschule bzw. Förderschule.
Wir kämpfen für das Recht unserer Kinder, in der Mitte der Gesellschaft zu leben – und dort auch aufzuwachsen. Vor mehr als sechs Jahren hat die UNO-Vollversammlung in ihrer Behindertenrechtskonvention dieses Recht auf Inklusion bestätigt. Seit nunmehr vier Jahren ist es für Deutschland rechtsverbindlich. Die Umsetzung jedoch stößt in Deutschland auf große Schwierigkeiten. In Nordrhein-Westfalen beobachten wir ganz unterschiedliche Entwicklungen.

Wir sehen Schulen, in denen Schulleitungen und Kollegien auf der Basis der aktuellen Schulgesetzgebung enorme Anstrengungen unternehmen, um das Gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf qualitativ und quantitativ auszuweiten. Diese Schulen haben dafür Fortbildungen aus ihrem eigenen Ausbildungsetat finanziert. Dadurch haben sie mehr Sicherheit im Umgang mit der sich erweiternden Heterogenität der Schülerschaft und im Speziellen auch mit Kindern mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen gewonnen.

In diesen Schulen nehmen wir wahr, dass unsere Kinder und Jugendlichen als Teil ihrer Klassen- und Schulgemeinde anerkannt sind und nach ihren Möglichkeiten am Schulleben teilhaben dürfen. Ihre Anwesenheit wird als bereichernd empfunden.
Wir nehmen wahr, dass die politischen Gremien vieler Kommunen nicht nur auf neue Gesetze warten, sondern parallel Maßnahmen ergreifen, um das Gemeinsame Lernen nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ auszuweiten. Ein Beispiel dafür ist das Einrichten Integrativer Lerngruppen und damit die Beförderung des Gemeinsamen Lernens in der Sekundarstufe. Wir nehmen darüber hinaus wahr, dass Schulträger die Ausweitung des Gemeinsamen Lernens ernst nehmen und dort, wo es aktuell notwendig ist, Barrieren beseitigen. Sie stärken gezielt lokale Bildungsnetzwerke durch personelle und ideelle Begleitung.
Inklusionsbeauftragte werden ernannt. Sie koordinieren erste Prozesse zwischen allgemeinbildenden Schulen und Förderschulen, Schulträgern, Jugendhilfe und anderen Bildungsakteuren und außerschulischen Unterstützungssystemen. Fördermaterialien werden zwischen Förder- und Regelschulen ausgetauscht. Förderpläne werden im Rahmen eines Unterstützerkreises, zu dem Eltern selbstverständlich dazugehören, entwickelt.

Hier sind die ersten Schritte auf dem Weg zum inklusiven Schulsystem schon gegangen.

Doch es gibt in Nordrhein-Westfalen häufig auch eine andere Realität:

Es gibt viele Orte und Schulen, wo Eltern von Kindern mit Behinderung verzweifeln, wenn sie für ihr Kind das Gemeinsame Lernen wünschen. Während anderswo Inklusion möglich gemacht und die Kinder angenommen werden, müssen Eltern hier als Bittsteller auftreten.

Sie werden einseitig und oft sonderinstitutions bezogen beraten, ihr Kind wird als Sorgenkind wahrgenommen. Schulen verschließen ihre Türen vor den Kindern, weil sie zum Beispiel nicht sicher sind zusätzliche personelle, finanzielle oder sächliche Unterstützung zu bekommen. Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden in Sonderschulen abgeschult.
Schulträger weigern sich, gemeinsames Lernen einzurichten. Sie verweisen auf Haushaltsnöte und meinen weder die sächlichen noch die räumlichen Bedingungen sicherstellen zu können. Hier wird ein Menschenrecht nach Kassenlage behandelt. Kaum jemand stellt sich offen gegen Inklusion. Sie sei nur „unter den aktuell gegebenen Bedingungen nicht zu verantworten“ (GEW, 03.02.2013).
Lehrerinnen und Lehrer werden sogar von ihrem Verband angehalten sich zu verweigern. Sie sollen das Land NRW auffordern, den „“wilde“(n) Inklusionsprozess“ auszusetzen (ebd.).

Wir Eltern von Kindern mit Behinderung erleben Nordrhein-Westfalen als ein gespaltenes Land:

Zwischen Kommune und Nachbarkommune, zwischen Landkreis und Nachbar-Landkreis. Zwischen Menschen in Schulen, Verwaltung und Politik, die jeden Spielraum für Inklusion nutzen und Menschen, denen bei der Umsetzung des Menschenrechts unserer Kinder alles zu viel, zu schnell, zu teuer ist.

Wir erleben in Nordrhein-Westfalen ein akzeptierendes, Wege suchendes Land, das sich wahrhaftig Gedanken darum macht, wie der Inklusionsprozess qualitativ und quantitativ vorangetrieben werden kann. Ein Land, das perspektivisch ein inklusives Bildungssystem entwickeln will, das alle Kinder und Jugendlichen, aber auch alle Lehrerinnen und Lehrer und alle Eltern willkommen heißt und als Bereicherung empfindet.

Wir erleben aber auch ein Land, das von Sorge getrieben wird und nach Gründen sucht, den Anforderungen der Inklusion aus pädagogischen oder finanziellen Gründen nicht gerecht werden zu können. Ein Land, das perfekte Bedingungen sucht, bevor es bereit ist sich auf den Weg zu machen.

Wir Eltern von Kindern mit Behinderung wollen gute Bildung in inklusiven Schulen. Zu guter Bildung gehört für uns unbedingt das selbstverständliche Zusammenleben und Zusammenlernen mit allen anderen Kindern. Die Sonderwelt der Förderschulen ist für unsere Kinder keine akzeptable Alternative. Wir sind aufgebracht, wenn Andere behaupten, Inklusion sei „nicht verantwortbar“, so lange Bedingungen nicht perfekt sind.

Inklusion „auszusetzen“ heißt, sie hier und heute unseren Kindern zu verweigern. Denn unsere Kinder besuchen jetzt die Schulen, sollen jetzt Teil der Gemeinschaft sein, müssen jetzt ihr Leben in Gemeinschaft leben lernen.

Das Gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung unterliegt seit mehr als 30 Jahren der Beliebigkeit von Schulen, Schulaufsichtsbeamten und Schulträgern. Ob Kinder mit Behinderungen Teil dieser Gemeinschaften werden konnten, lag in erster Linie daran, ob sie am „richtigen“ Ort wohnten.
Das darf nicht länger so sein!

Wir wünschen uns die Gemeinsamkeit.

Wir wünschen uns, dass Sorgen und Ängste vor Veränderungen in den Schulen mit allen Beteiligten offen und lösungsorientiert diskutiert werden.

Wir wünschen uns die gemeinsame, lösungsorientierte Suche nach Wegen zur Inklusion.

Wir wünschen uns, gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern für gute Bedingungen in den Schulen einzutreten.

Wir fordern auf politischer Ebene klare Signale, dass das Menschenrecht unserer Kinder auf Teilhabe in einem inklusiven Bildungssystem rechtlich und ganz praktisch in den Kommunen vor Ort garantiert wird.

Wir fordern, dass den Schulen alle Unterstützung zuteil wird, die sie benötigen, um sich ihrer pädagogischen Arbeit mit allen Kindern widmen und qualitativ hochwertige Bildungs- und Erziehungsprozesse initiieren zu können.

Den Schulen und den Lehrerinnen und Lehrern bieten wir unsere Zusammenarbeit, unser Wissen und unsere Netzwerke an: Eltern verfügen über enorme Ressourcen, die wir derzeit investieren müssen, um die Rechte unserer Kinder zu erkämpfen. Wir würden sie viel lieber anders nutzen und vor Ort mitwirken, damit Schulen zu einem Abbild unserer bunten Gesellschaft werden können.

Unterzeichner:
Gemeinsam leben – gemeinsam lernen Olpe plus e.V.
Schule für Alle e.V. Hennef
mittendrin e.V. Köln
Elterninitiative Inklusion Bornheim
Gemeinsam leben – Gemeinsam lernen Pulheim Gemeinsam leben – Gemeinsam lernen Aachen e.V.
Gemeinsam Leben Lernen e.V. Hilden
Initiativkreis Gemeinsame Schule Wuppertal Elternvereinigung ABH VoG Ostbelgien Mittendrin-Hürth e.V.
Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen Dorsten Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen Kreis Borken INVEMA e.V. Kreuztal Gemeinsam leben lernen e.V. Düsseldorf Elterninitiative Inklusion im Kreis Warendorf Gemeinsam leben – Gemeinsam Lernen Brühl Elterninitiative für besondere Kinder, Oberberg Gemeinsam leben – gemeinsam lernen Bonn e.V.

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16. April 2013

Die Heinrich-Kielhorn-Schule und die Wilhelm-Raabe-Schule in Marl werden zusammengelegt

Die Wilhelm-Raabe-Schule wurde laut Schülerstatistik von Oktober 2012 von 99, die Heinrich-Kielhorn-Schule von 129 Schüler/innen besucht. Unter Berücksichtigung der Inklusion von Schüler/innen in Grund- und weiterführende Schulen sowie der zu erwartenden demographischen Entwicklung ist davon auszugehen, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler an diesen Förderschulen weiter abnimmt. Bei einem reduzierter Bedarf ist die dauerhafte Fortführung zweier Förderschulen mit gleichen Inhalten aus ökonomischer, schulorganisatorischer und pädagogischer Sicht nicht mehr sinnvoll.

Am 01.08.2013 tritt die neue Verordnung über die Schulgrößen der Förderschulen in Kraft. Danach müssen für die Fortführung einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen und emotionale und soziale Entwicklung mindestens 144 Schüler/innen vorhanden sein. Nach jetziger Erkenntnis wird diese Zahl an beiden Schulen nicht erreicht.

Die Zusammenlegung beider Förderschulen am Standort Heinrich-Kielhorn-Schule ist dadurch notwendig!

Beim Gebäude der Heinrich-Kielhorn-Schule handelt es sich um einen als Förderschule konzipierten Bau, der seinerzeit auf 300 Schüler/innen ausgelegt war. Die weitere Verwendung des Schulgebäudes als Förderschulstandort ist möglich. Die Wahl eines anderen Schulstandorts würde aufgrund der dann notwendigen Umbauarbeiten wesentlich höhere Kosten verursachen. Auch unter Berücksichtigung veränderter Lehrformen und Bildung von geringeren Klassenstärken ausreichende Raumkapazitäten vorhanden.

Inklusion ist das Ziel!

Es ist das Ziel der Inklusion, das Gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen in den Schulen auszubauen. Die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen Behinderungen in den allgemeinen Schulen soll der Regelfall werden. Zahlreiche Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass dieses gemeinsame Lernen sowohl Vorteile für die Lernentwicklung der Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen als auch – vor allem im sozialen Bereich – für Schülerinnen und Schüler ohne Behinderungen hat.

Der Aufbau eines solchen „inklusiven“ Schulsystems wird auch im „Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte der Menschen mit Behinderungen“ gefordert. Mit diesem Abkommen, das für die Bundesrepublik Deutschland 2009 in Kraft getreten ist, verpflichten sich die Vertragsstaaten in Artikel 24 unter anderem, das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung „ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen“ und dazu ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen zu gewährleisten – also auch das gemeinsame Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen zum Regelfall zu machen.

Danach werden in Zukunft Förderschulen überflüssig!

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19. März 2013

Inklusion im deutschen Schulsystem kommt nur eingeschränkt voran

Bertelsmann Stiftung: Jeder vierte Förderschüler besucht mittlerweile reguläre Schule / Anteil der Sonderschüler bleibt aber nahezu konstant / Enorme Unterschiede zwischen den Ländern

Mädchen mit zwei Jungen am Schultisch

Foto: Ulfert Engelkes

Die Inklusion im deutschen Schulsystem kommt voran, ohne dass allerdings die Sonderschulen an Bedeutung verlieren. Inzwischen besucht zwar jeder vierte Schüler mit Förderbedarf eine reguläre Schule. Seit Deutschland sich vor vier Jahren verpflichtet hat, Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten, ist der Inklusionsanteil damit bundesweit um ein Drittel (von 18,4 auf 25 Prozent) gestiegen. Dies hat jedoch nicht dazu geführt, dass weniger an Sonderschulen unterrichtet wird. Denn bei immer mehr Schülern wird sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert. Der Anteil der Sonderschüler an der gesamten Schülerschaft bleibt dadurch nahezu konstant. Das geht aus einer aktuellen Studie von Bildungsökonom Professor Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor.

„Inklusion nimmt in Deutschland an Fahrt auf. Kinder mit Handicaps müssen nicht länger automatisch auf eine getrennte Förderschule gehen“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, mit Verweis auf den deutlich gestiegenen Inklusionsanteil. Zugleich steige jedoch die Zahl der Förderschüler: Im März 2009, als die UN-Konvention zur Abkehr vom derzeitigen Sonderschulsystem in Kraft trat, lag der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Handicaps an der gesamten Schülerschaft noch bei sechs Prozent. Im Schuljahr 2011/12 betrug er 6,4 Prozent. Insgesamt haben damit rund eine halbe Million Schüler in Deutschland besonderen Förderbedarf. Damit ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die nicht auf eine reguläre Schule gehen, seit 2009 von 4,9 auf 4,8 Prozent nur minimal gesunken. Das belege, so Dräger, dass das Doppelsystem aus Regelschulen einerseits und separaten Förderschulen andererseits unverändert Bestand habe.

„Solange das Doppelsystem aus Regel- und Förderschulen in der heutigen Form besteht, ist erfolgreiche Inklusion schwierig, weil die Förderschulen jene Ressourcen binden, die dringend für den gemeinsamen Unterricht benötigt werden“, sagte Professor Klemm. Im vergangenen Jahr hatte Klemm in einer Studie für die Bertelsmann Stiftung berechnet, dass – selbst wenn die Mittel der derzeitigen Förderschulen weitgehend zu den Regelschulen umgeschichtet würden – bundesweit jährlich 660 Millionen Euro für 9.300 zusätzliche Lehrkräfte gebraucht werden, um inklusiven Unterricht in angemessener Qualität anzubieten. Dräger: „Inklusion ist richtig und wichtig, aber die Schulen brauchen Unterstützung und vor allem genügend gut ausgebildetes Personal.“

Wie in vielen Bildungsbereichen, sind auch beim Thema Inklusion die Unterschiede zwischen den Bundesländern enorm groß. Ausbau des gemeinsamen Unterrichts, Stellenwert von Sonderschulen und Anerkennung von Förderbedarfen – bei allen drei Faktoren weichen die Bundesländer erheblich voneinander ab. „Drei Viertel der Schüler auf den separaten Förderschulen schaffen nicht einmal den Hauptschulabschluss“, sagte Dräger: „Inklusion ist eine nationale Herausforderung. Trotzdem fehlt es weiterhin an einem gemeinsamen Verständnis der Länder, an inhaltlichen Konzepten und an bundesweiten Standards.“

In Bremen (55,5 Prozent) und Schleswig-Holstein (54,1 Prozent) etwa besuchen mehr als die Hälfte aller Förderschüler eine reguläre Schule. In Niedersachsen (11,1 Prozent) hingegen wird lediglich jeder neunte Förderschüler inklusiv unterrichtet. Die größte Steigerung des Inklusionsanteils seit 2009 verzeichnet Hamburg: Dort hat sich der Anteil der Förderkinder, die eine reguläre Schule besuchen, weit mehr als verdoppelt (von 14,5 auf 36,3 Prozent). Ähnliches gilt für Sachsen-Anhalt (von 8,6 auf 20,5 Prozent).

Ebenfalls große Unterschiede zwischen den Bundesländern bestehen in der Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kind als förderbedürftig eingestuft wird: In Mecklenburg-Vorpommern (10,9 Prozent) haben anteilig mehr als doppelt so viele Schüler besonderen Förderbedarf wie in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen (4,9 Prozent).

Uneinheitlich präsentiert sich Deutschland im Ländervergleich auch bei der Bedeutung der Sonderschulen für das jeweilige Schulsystem. In Schleswig-Holstein beträgt der Anteil der Schüler, die separat unterrichtet werden, nur noch 2,7 Prozent – in Mecklenburg-Vorpommern (7,6 Prozent) ist die Wahrscheinlichkeit auf den Besuch einer getrennten Förderschule fast drei Mal so hoch.

So gibt es Länder, in denen die Bedeutung der Förderschulen stark zurückgegangen ist, allen voran Bremen. Der Anteil der Schüler, die separat unterrichtet werden, ging dort seit 2009 von 4,6 auf 2,8 Prozent zurück. Auch Thüringen hat die Exklusionsquote von 7,5 auf 5,2 Prozent erheblich gesenkt. Dies spiegelt jedoch keinen bundesweiten Trend, denn in einigen Ländern ist seit Inkrafttreten der UN-Konvention diese Quote sogar gestiegen: in Nordrhein-Westfalen (5,3 statt 5,2), Hessen (4,5 statt 4,3), im Saarland (4,4 statt 4,2) und besonders stark in Baden-Württemberg (5,0 statt 4,7 Prozent). „Dem Inklusionsgedanken läuft diese Entwicklung eigentlich zuwider“, sagte Dräger.

 

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24. Januar 2013

Mit Empörung reagieren die Sprecher des NRW-Bündnis „Eine Schule für alle“ auf Berichte über Ausnahmeregelungen für die Kommunen bei der Inklusion.

PICT0011 (4)Mit Empörung reagieren die Sprecher des NRW-Bündnis „Eine Schule für alle“

auf Berichte über Ausnahmeregelungen für die Kommunen bei der Inklusion.

Im Streit um die Finanzierung der Inklusion hatte Schulministerin Löhrman am vergangenen Dienstag darauf hingewiesen, dass Kommunen auch künftig den Rechtsanspruch behinderter Kinder auf Zugang zur inklusiven Schule nicht umsetzen müssen, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt werden können.

Aus Sicht der Bündnissprecher ein unredliches Kompromissangebot.

„Die bereits im Referentenentwurf zur Inklusion vorgesehenen Ausnahmeregelungen haben Betroffenenverbände von Anfang an kritisiert. Mit einer solchen Auslegung wird die völkerrechtlich gebotenen Umsetzung der Inklusion nun faktisch ins Belieben der Kommunen gestellt“ sagt Uta Kumar, Sprecherin des Bündnisses. „Es ist klar, dass von den meisten Kommunen jetzt kein großes Engagement kommen wird, wenn man ihnen eine Hintertür aufzeigt, durch die sie sich aus der Verantwortung für die Inklusionsentwicklung stehlen können.“

Im Streit um die Kosten der Inklusion lehnt Schulministerin Sylvia Löhrmann eine Beteiligung des Landes an den mit der Inklusion verbundenen Kosten für die Schulträger ab. Die Kommunen sehen hingegen das Land in der Pflicht, weil das Land ihnen die Aufgabe der Inklusion neu zuweise.

„Es kann nicht sein, dass der Streit um die Kosten jetzt auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen wird“ sagt Bündnissprecher Michael Baumeister, selbst Vater eines Kindes mit Downsyndrom. Für betroffene Eltern wird es aus Sicht der Bündnisprecher weiterhin von den örtlichen Gegebenheiten abhängen, ob sie für ihre Kinder den Rechtsanspruch auf Inklusion realisieren können, oder nicht.

„Fast vier Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention sind Eltern von Kindern mit Behinderungen noch immer darauf angewiesen, dass sie vor Ort Schulen finden, die bereit sind, ihren Kindern gemeinsames Lernen zu ermöglichen“ sagt Michael Baumeister. „Was wir jetzt brauchen, ist ein klarer Rechtsanspruch für unsere Kinder. Bei einem Menschenrecht Ausnahmeregelungen zu schaffen, ist ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen“.

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Das NRW-Bündnis „Eine-Schule für alle“

ist ein Aktionsbündnis aus Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen. Ziel des Bündnisses ist der Umbau des vielgliedrigen Schulsystems zugunsten einer Schule für alle. Diese soll für alle Kinder und Jugendlichen bis zum ersten schulischen Abschluss in der Sekundarstufe I da sein. Junge Menschen mit speziellem Förderbedarf gehören von Anfang an dazu und erhalten dort die notwendige Förderung. Jedes einzelne Mädchen und jeder einzelne Junge wird in seiner Gesamtentwicklung unterstützt.

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24. Januar 2013

Marl: Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Inklusion

Die städtische Kita Blauland am Lipper Weg
Die Kita Blauland soll in die Träger-schaft des Diakonischen Werkes wechseln und gemeinsam mit der heilpädogischen Kita an der Martin-Luther-Straße zu einer additiven Einrichtung entwickelt werden, in der Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam gefördert werden.

In der heilpädagogischen Kindertagesstätte der Diakonie an der Martin-Luther-Straße und in der städtischen Kita Blauland am Lipper Weg sollen ab dem Kita-Jahr 2014/2015 behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam in gemischten Gruppen betreut und gefördert werden.

Die beiden Kitas sollen dafür zu einer sogenannten additiven Einrichtung in der Trägerschaft der Diakonie zusammengeführt werden. Den entsprechenden Vorschlag der Verwaltung, der am 30. Januar zunächst im Kinder- und Jugendhilfeausschuss politisch beraten wird, hat Jugend- und Sozialdezernentin Dr. Barbara Duka heute gemeinsam mit Horst Bögeholz vom Vorstand des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Recklinghausen vorgestellt. An dem Gespräch nahm auch die stellvertretende Ausschussvorsitzende Maria (Marlies) Mell teil, die das Vorhaben aus pädagogischen Gründen nachdrücklich begrüßte.

Ziel: gleichberechtigte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben

Wurden bisher in den heilpädagogischen Kindertageseinrichtungen ausschließlich behinderte Kinder betreut, werden in sogenannten additiven Einrichtungen Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam in kleinen gemischten Gruppen betreut (Fachleute sprechen von Inklusion) – ähnlich wie in den schon bestehenden integrativen Gruppen in den Regelkindergärten, aber mit intensiverer Betreuung der Kinder. Die Weiterentwicklung der heilpädagogischen Kindertagesstätte an der Martin-Luther-Straße und der Kita Blauland am Lipper Weg zu einer additiven Einrichtung ist für Dr. Barbara Duka daher „ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur gemeinsamen Erziehung behinderter und nicht-behinderter Kinder und zur gleichberechtigten Teilnahme von Menschen mit und ohne Behinderungen am gesellschaftlichen Leben in unserer Stadt“.

Eltern werden ausführlich informiert

Da die konzeptionelle Neuausrichtung und der damit verbundene Wechsel der Kita Blauland in die Trägerschaft des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Recklinghausen bei einem entsprechenden positiven Ratsbeschluss weitreichende Auswirkungen hat, wollen das Diakonische Werk und die Stadt Marl die Elternschaft auf dem Weg zur Verschmelzung der beiden Einrichtungen „mitnehmen“ und ausführlich informieren. Beide Partner gehen davon aus, dass die Eltern für das neue Konzept gewonnen werden können. Hierfür sprechen Erfahrungen, die mit der Einrichtung einer Regelgruppe im heilpädagogischen Zentrum zum Kita-Jahr 2012/2013 gemacht wurden. Dort fand nach Auskunft von Diakonie-Vorstand Horst Bögeholz die additive pädagogische Arbeit nach anfänglichem Zögern nachhaltigen Zuspruch bei den Eltern.

Kita Blauland wechselt in Trägerschaft des Diakonischen Werkes

Die in der Kita Blauland unbefristet beschäftigten Fachkräfte könnten nach Auskunft von Dr. Barbara Duka weiterhin bei der Stadt Marl bleiben und zum Kita-Jahr 2014/2015 in andere städtische Einrichtungen wechseln, weil dort zeitlich befristete Beschäftigungen auslaufen. Zusätzliche Kosten sind für die Stadt Marl – auch einschließlich der Übernahme eines Trägeranteils an der neuen Einrichtung – nicht verbunden. Im Gegenteil: Wegen der höheren Fördersätze für integrative Gruppen spart die Stadt Marl voraussichtlich 27.000 Euro pro Jahr.

Vorteile: Erhöhter Personalschlüssel und thearapeutisches Personal

Zum hintergrund: Der Landesjugendhilfeausschuss hat im Dezember 2009 nach intensiver Beratung beschlossen, dass die reinen heilpädagogischen Kindertagesseinrichtungen im Bereich des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe bis spätestens 2014 in sogenannte additive Einrichtungen umgewandelt und Kinder mit und ohne Behinderungen in gemischten Gruppen (unter einem Dach oder an unterschiedlichen Standorten) betreut und gefördert werden sollen. Additive Einrichtungen profitieren u.a. von einem erhöhten Personalschlüssel für die heilpädagogischen Plätze (heilpädagogische Plätze werden auch in den gemischten Gruppen weiterhin unverändert vom überörtlichen Sozialhilfeträger finanziert) und therapeutischem Per-sonal (Ergotherapeuten, Physiotherapeuten u.a.).

Dauerhafter Bedarf

Das Jugendamt geht davon aus, dass mit den bestehenden 24 heilpädagogischen Plätzen in der heilpädagogischen Kita der  Bedarf in Marl gedeckt ist und die Plätze nach bisherigen Erfahrungen dauerhaft benötigt werden. Die endgültige Entscheidung über die Kooperation und den Wechsel der Kita-Blauland in die Trägerschaft des Diakonischen Werkes trifft der Rat der Stadt Marl voraussichtlich in seiner Sitzung am 14. Februar.

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4. Juli 2012

„Eine Gesellschaft für alle – NRW inklusiv“

 

Das Landeskabinett hat den Aktionsplan „Eine Gesellschaft für alle – NRW inklusiv“ verabschiedet. Ressortübergreifend soll mit mehr als 100 Maßnahmen die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen vorangetrieben werden.

„Der Aktionsplan ist der sozialpolitische Schwerpunkt der Landesregierung in dieser Legislaturperiode. Inklusion ist eine Mammutaufgabe. Mit dem Aktionsplan wird das Land die menschenrechtlichen Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention in konkrete Landespolitik umsetzen. Menschen mit Behinderungen sollen nicht länger ausgegrenzt werden, sondern gleichberechtigt teilhaben in der Gesellschaft“, sagte Sozialminister Guntram Schneider, der in der Landesregierung die Federführung für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention hat.

Der Aktionsplan enthält Vorhaben aus allen Ministerien. So sollen etwa Bauvorhaben, der öffentliche Verkehr oder auch Wohnprojekte behindertengerecht ausgerichtet werden. Das Arbeits- und Sozialministerium will vor allem die Inklusion von Menschen mit Behinderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt voranbringen. „Deshalb unterstützen wir Beschäftigungsmöglichkeiten außerhalb von Werkstätten für behinderte Menschen“, so Minister Schneider. „Beispielsweise sollen die Integrationsbetriebe ausgebaut werden, in denen Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenarbeiten. Und wir wollen dem Automatismus: Förderschule – Werkstatt entgegenwirken. Regionale Fallmanager sollen Jugendliche mit Behinderungen dabei unterstützen, in den regulären Arbeitsmarkt hineinzukommen.“ Außerdem sollen mehr Menschen mit Behinderungen die Chance bekommen, mit individuellen Hilfen auch außerhalb von Wohnheimen zu leben. Und ein Netzwerk von Beratungsstellen soll eine landesweit einheitliche, unabhängige Beratung gewährleisten, damit Menschen mit Behinderungen ihre Chancen nutzen können.

Zur Inklusion in der Schule – einem in der Öffentlichkeit viel diskutierten Aktionsfeld – sagte Bildungsministerin Sylvia Löhrmann: „Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen sollen das Recht auf einen Platz in einer allgemeinen Schule erhalten, in der sie gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen ohne Behinderung lernen. Unser Ziel ist, dass dieser gemeinsame Unterricht zum Normalfall wird. Eltern sollen aber auch weiterhin die Förderschule wählen können, sofern sie diese für ihr Kind vorziehen und ein entsprechender Bedarf an Förderschulen vorhanden ist.“

Von Landesseite sollen also keine Förderschulen mit bestimmten Schwerpunkten abgeschafft werden. Ministerin Löhrmann: „Wir folgen dem Landtagsbeschluss. Entscheidend ist der Elternwille. Die Kreise und kreisangehörigen Kommunen sollen allerdings nach einer Schulgesetznovelle eine Öffnungsklausel nutzen und auf Förderschulen mit den Förderschwerpunkten Lernen, Emotionale und soziale Entwicklung sowie Sprache verzichten können.“

Um dem Wunsch vieler Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf nachzukommen, die wollen, dass ihre Kinder gemeinsam mit jenen lernen, die keinen sonderpädagogischen Förderbedarf haben, wird schon jetzt der Gemeinsame Unterricht kontinuierlich ausgebaut. Zurzeit besuchen rund 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf allgemeine Schulen. Dies wird mit insgesamt 1.215 zusätzlichen Stellen unterstützt, von denen mehr als die Hälfte in den vergangenen zwei Jahren hinzu gekommen sind. Dazu gehören auch 53 bei den Schulämtern angesiedelte Stellen, die den örtlichen Inklusionsprozess koordinieren sollen (z. B. durch Unterstützung der Schulen und Beratung der Eltern).

Zur Umsetzung des schulischen Inklusionsplans sind eine Schulgesetznovelle und die Änderung weiterer Rechtsvorschriften erforderlich. Dabei geht es unter anderem darum, dass der Auftrag der UN-Behinder­tenrechtskonvention vor Ort auch durch so genannte Vorreiter- bzw. Schwerpunktschulen umgesetzt werden kann, Konsequenzen für die Lehreraus- und Lehrerfortbildung gezogen und insgesamt die finanziellen Rahmenbedingungen geklärt werden, mit denen die Weiterentwicklung des Schulangebots in Nordrhein-Westfalen zu einem inklusiven Schulwesen begleitet werden soll.

„Inklusion ist nicht auf Knopfdruck machbar, sondern ein Prozess“, sagte Schneider. Dieser soll mit flankierenden Maßnahmen begleitet werden. „Beispielsweise wollen wir die Gesellschaft über eine öffentlichkeitswirksame Kampagne für das Thema ‚Leben mit Behinderungen’ sensibilisieren und die Landesbeschäftigten für dieses Thema schulen. Ein Inklusionsbeirat mit Vertreterinnen und Vertretern der Behindertenorganisationen und anderen wichtigen Akteurinnen und Akteuren wird die Umsetzung des Aktionsplans begleiten“, so Minister Schneider.

Der Aktionsplan „Eine Gesellschaft für alle – NRW inklusiv“ betrifft insgesamt 2,6 Millionen Menschen mit Behinderungen in NRW, das sind 14 Prozent der Gesamtbevölkerung. Der Aktionsplan im Internet: www.mais.nrw.de

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5. Dezember 2011

Ministerin Löhrmann: „Wir sind bereits mitten auf dem Weg hin zur Inklusion“ – Gesetzentwurf ist in Arbeit


„Beim Ziel sind wir uns einig: Kinder mit und ohne Behinderungen sollen gemeinsam aufwachsen und lernen“, unterstrich Schulministerin Sylvia Löhrmann heute noch einmal den Willen der Landesregierung, die UN-Behindertenkonvention auf Landesebene umzusetzen. „In der Tat befinden wir uns bereits mitten in der Umsetzung unseres Plans hin zur Inklusion“, sagte Ministerin Löhrmann. So habe die Landesregierung die Schulaufsicht beim Übergang zum laufenden Schuljahr gebeten, Eltern von Kindern mit Behinderungen, die dies wünschten, vorrangig einen Platz im Gemeinsamen Unterricht anzubieten. Eine Zuweisung von Kindern zur Förderschule gegen den Willen der Eltern sollte unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten vermieden werden. Ministerin Löhrmann: „Dies scheint – anders als in den Jahren zuvor – weitgehend gelungen zu sein.“ Die Landesregierung habe diesen Prozess unterstützt und unter anderem 390 zusätzliche Stellen – vor allem für die weiterführenden Schulen – zur Verfügung gestellt (305 für Integrative Lerngruppen, so dass es inzwischen 600 gibt, und 85 Stellen für Primarstufe und Sekundarstufe I zur Unterstützung „besonderer Anforderungen“). Außerdem wurde in allen 53 Schulämtern jeweils eine neue Stelle zur Koordination beim Ausbau des Gemeinsamen Unterrichts vor Ort geschaffen. In Kooperation mit den Universitäten Köln und Oldenburg werden zudem derzeit Fortbildungsmoderatoren ausgebildet, die vom Frühjahr 2012 an Schulen beim Ausbau des Gemeinsamen Unterrichts in allen Regionen des Landes unterstützen sollen. Diese Zahlen machen deutlich, wie wichtig der Landesregierung das Thema Inklusion ist. Wie beim letzten Gesprächskreis Inklusion angekündigt, erarbeitet das Schulministerium derzeit einen Referentenentwurf für eine Schulgesetznovelle für ein inklusives Bildungssystem. Mit dem Gesetz wird u.a. geregelt, wie der Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Regelschule umgesetzt werden soll. Die Ministerin betonte, dass, nachdem der bildungspolitische Konsens zur Schulstruktur gefunden sei, die nächsten Schritte auf dem Weg zu einem inklusiven Bildungssystem Priorität hätten. „Und wie beim Schulkonsens, so wollen wir auch bei der Inklusion einen möglichst breiten politischen Konsens, damit das große Ziel Inklusion von einer breiten Zustimmung getragen wird. Dabei geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit“, betonte Ministerin Löhrmann. „Denn für diese gesellschaftliche Herausforderung, die nicht von einem Tag zum anderen zu meistern ist, brauchen wir eine gute Basis. Und die ist das Gesetz.“ In zahlreichen Gesprächen mit den unterschiedlichsten Beteiligten – mit Eltern- und Lehrerverbänden, Schulträgern, Personalräten, Gewerkschaften und vor allem auch Interessensgruppen – wurde deutlich, dass bei aller grundsätzlichen Einigkeit über das Ziel Inklusion auch deutlich unterschiedliche Interessenslagen angesichts der bevorstehenden Veränderungen bestehen. „Hier einen möglichst breiten Konsens zu erhalten“, so Ministerin Löhrmann, „erfordert mehr Zeit, als zunächst erwartet.“ Es seien noch grundsätzliche Klärungen erforderlich, weil die wissenschaftlichen Gutachter der Landesregierung Maßnahmen empfohlen haben, die zum Teil in einem Spannungsverhältnis zum Landtagsbeschluss vom 1. Dezember 2010 stehen. Diese müssen im laufenden Verfahren geklärt werden. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob und wann künftig Förderschulen der Förderschwerpunkte Lernen, Emotionale und soziale Entwicklung sowie Sprache auslaufen sollen.

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27. November 2011

INKLUSION: ELTERNVERBÄNDE FORDERN DIE BUNDESKANZLERIN ZUM EINGREIFEN AUF



Beschluss der Kultusministerkonferenz verweigert verbindliche Vorgaben zur
Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in allen Bundesländern und
gefährdet die Vergleichbarkeit der Lebensverhältnisse von Kindern und
Jugendlichen mit Behinderung in Deutschland

25. 11. 2011 Die Kultusministerkonferenz stellt heute in einem
presseöffentlichen Fachgespräch in Berlin ihren fünf Wochen alten
Beschluss zur schulischen Inklusion vor, deren Einführung von der
UN-Behindertenrechtskonvention gefordert wird.
Elternverbände und Sozialverbände sind empört über das unverbindliche
Papier.

„Es reicht nicht, wenn die Kultusminister wohl klingende Beschreibungen
inklusiver Bildung formulieren“ kritisiert Eva-Maria Thoms vom Kölner
Elternverein mittendrin e.V:, „wenn an keiner Stelle festgelegt wird, dass
und wie die Bundesländer die Inklusion auch umsetzen müssen“.

Die sogenannte Empfehlung „Inklusive Bildung von Kindern und Jugendlichen
mit Behinderung in Schulen“ enthält nicht einmal die Vorgabe, das Recht
von Schülerinnen und Schülern mit Behinderung auf inklusive Bildung in den
allgemeinen Schulen gesetzlich zu verankern.
“Die Aufgabe der Kultusministerkonferenz war es, inklusive Leitlinien für
das Bildungssystem in Deutschland zu formulieren. Dieser Aufgabe hat die KMK
sich schlicht verweigert“, sagt Bernd Kochanek, Vorsitzender der LAG
Gemeinsam leben – gemeinsam lernen NRW e.V.“.

Zweieinhalb Jahre nach Inkrafttreten der „UN-Konvention über die Rechte
von Menschen mit Behinderung“ in Deutschland zeigt sich damit, dass die
Bundesländer nicht willens oder nicht in der Lage sind, über die
Kultusministerkonferenz für eine flächendeckende Umsetzung der
UN-Konvention in Deutschland zu sorgen. „An dieser Stelle muss man die
Frage stellen, ob die Kultushoheit der Länder in ihrer heutigen Form
sinnvoll ist“, meint Elternvertreterin Eva-Maria Thoms. „Der Bund ist der
UNO gegenüber in der Verantwortung, dass die Konvention im ganzen Land
umgesetzt wird. Wir fordern Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Eingreifen
auf.“

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