Posts tagged ‘Grimme-Preis’

11. Februar 2017

Grimme-Preis: „Bergfest“ im Grimme-Institut in Marl

Blick in den großen Saal des Grimme-Instituts. (Foto: Georg Jorczyk / Grimme-Institut)

Endlich Halbzeit! Gestern feierten die Grimme-Jurys gemeinsam mit zahlreichen Nominierten das traditionelle „Bergfest“ im Grimme-Institut, was mit rund 250 Gästen für ausgelassene Stimmung und „kleine Augen“ am Folgetag sorgte. Eine Diskussionsrunde zu den Themen „Fernsehen während Krisen“ und „Besondere Journalistische Leistung“ in Zeiten von Fake News lieferte einen inhaltlichen Input; die feierliche Verleihung des Bert-Donnepp-Preises für Medienpublizistik versprühte zusätzlichen Glanz.

Begrüßung durch Frauke Gerlach

Grimme-Direktorin Frauke Gerlach freute sich in ihrer Begrüßung über die Weiterentwicklung des Instituts und seiner Preise, die spürbar Früchte trage. Seit 2016 können – unter anderem – besondere journalistische Leistungen geehrt werden, inhaltlich gehe es dabei vor allem um die Qualität aktueller Berichterstattung im TV-Bereich. „In Zeiten von Fake News und Populismus ist diese wichtiger denn je“, stellte Gerlach klar. Gemeint sei Fernsehjournalismus, „der uns besonnen, fachlich versiert und reflektiert aktuelle Geschehnisse berichtet, Hintergründe recherchiert und beleuchtet“. Er gehört für die Grimme-Direktorin zum Wesenskern einer freiheitlichen Demokratie. Gerlach weiter: „Der Preis für besondere journalistische Leistung bietet hier Orientierung und zeigt beispielhaft, wie Qualität im Fernsehjournalismus aussehen kann.“ Und bei Grimme entscheiden darüber unabhängige Jurys nach sorgfältiger Programmbeobachtung: „Das Grimme-Institut will damit auch einen Beitrag gegen die pauschale Diskreditierung des Journalismus als Lügenpresse leisten.“

Gesprächsrunde

Unter der Moderation von Peter Stawowy diskutierten im Anschluss Ilka Eßmüller (RTL) und drei Mitglieder der Nominierungskommission bzw. -jury Information & Kultur, René Martens, Fritz Wolf und Jenni Zylka, alle freie Journalisten. Letztere waren sich schnell einig: Im Vergleich zur Berichterstattung nach dem Amoklauf in München habe es eine qualitative Steigerung nach dem Attentat in Berlin gegeben, aber, so Wolf, er bleibe „vorsichtig optimistisch“, ob sich hier ein dauerhafter Lerneffekt eingestellt habe. Wobei Zylka deutlich machte: „Insgesamt findet die Krisen-berichterstattung auf sehr hohem Niveau statt!“ Gerade in Hinblick auf den reformierten Grimme-Preis und die Auszeichnung einer „besonderen journalistischen Leistung“ stelle sich jedoch die Frage, was hier die Qualitätsmaßstäbe sind und wie diese in Einklang zu bringen seien mit den Statuten des Grimme-Preises. Reicht es, wenn jemand einfach ordentliche Arbeit abliefere für eine Auszeichnung oder müsse hier Herausragendes geleistet werden? „Ich fürchte, das werden wir immer wieder neu verhandeln müssen“, so Wolf. Und der zuletzt mehrfach eingeforderte 24h-Nachrichtenkanal? „Das würde die Situation eher verschärfen“, denn er erhöhe den Druck auf die anderen, so Martens, selbst wenn hier möglicherweise schnell(er) reagiert werden könne. Gerade in Zeiten von Fake News sei der Druck enorm: Eßmüller berichtete, dass etwa nach dem Münchner Amoklauf der RTL-Redaktion 21 Videos angeboten wurden, von denen sich die Hälfte nach eingehender Prüfung als falsch erwiesen hätten.

Was könnte zukünftig besser laufen? Einen sorgfältigeren Umgang mit Sprache wünschte sich Martens, während Zylka „mehr Transparenz“ einforderte – gerade auch als Antwort auf die Lügenpresse-Debatte. „Leider wird sich das Rad nicht zurückdrehen lassen“, so Eßmüller, was jedoch nicht zu Lasten der Qualität gehen dürfe. „Aber man darf auch nicht der Letzte sein“, so die RTL-Moderatorin.

Bert-Donnepp-Preis

Für einen zusätzlichen Glanzpunkt sorgte schließlich die Verleihung des Bert-Donnepp-Preises – des Deutschen Preises für Medienpublizistik. Er ging für das Jahr 2016 an die Autorin, freie Journalistin und ehemalige „Kriegsreporterin“ der taz, Silke Burmester, das „Pussy Riot Girl des deutschen Medienjournalismus“, so Laudator Willi Winkler (SZ). Eine „Besondere Ehrung“ erhielt der – leider abwesende – Autor, Regisseur, Produzent und Moderator Gero von Boehm für sein außerordentliches Gesamtwerk.

4. Februar 2017

Grimme-Preis: „Bergfest“ im Grimme-Institut in Marl

Blick in den großen Saal des Grimme-Instituts. (Foto: Georg Jorczyk / Grimme-Institut)

Endlich Halbzeit! Gestern feierten die Grimme-Jurys gemeinsam mit zahlreichen Nominierten das traditionelle „Bergfest“ im Grimme-Institut, was mit rund 250 Gästen für ausgelassene Stimmung und „kleine Augen“ am Folgetag sorgte. Eine Diskussionsrunde zu den Themen „Fernsehen während Krisen“ und „Besondere Journalistische Leistung“ in Zeiten von Fake News lieferte einen inhaltlichen Input; die feierliche Verleihung des Bert-Donnepp-Preises für Medienpublizistik versprühte zusätzlichen Glanz.

Begrüßung durch Frauke Gerlach

Grimme-Direktorin Frauke Gerlach freute sich in ihrer Begrüßung über die Weiterentwicklung des Instituts und seiner Preise, die spürbar Früchte trage. Seit 2016 können – unter anderem – besondere journalistische Leistungen geehrt werden, inhaltlich gehe es dabei vor allem um die Qualität aktueller Berichterstattung im TV-Bereich. „In Zeiten von Fake News und Populismus ist diese wichtiger denn je“, stellte Gerlach klar. Gemeint sei Fernsehjournalismus, „der uns besonnen, fachlich versiert und reflektiert aktuelle Geschehnisse berichtet, Hintergründe recherchiert und beleuchtet“. Er gehört für die Grimme-Direktorin zum Wesenskern einer freiheitlichen Demokratie. Gerlach weiter: „Der Preis für besondere journalistische Leistung bietet hier Orientierung und zeigt beispielhaft, wie Qualität im Fernsehjournalismus aussehen kann.“ Und bei Grimme entscheiden darüber unabhängige Jurys nach sorgfältiger Programmbeobachtung: „Das Grimme-Institut will damit auch einen Beitrag gegen die pauschale Diskreditierung des Journalismus als Lügenpresse leisten.“

Gesprächsrunde

Unter der Moderation von Peter Stawowy diskutierten im Anschluss Ilka Eßmüller (RTL) und drei Mitglieder der Nominierungskommission bzw. -jury Information & Kultur, René Martens, Fritz Wolf und Jenni Zylka, alle freie Journalisten. Letztere waren sich schnell einig: Im Vergleich zur Berichterstattung nach dem Amoklauf in München habe es eine qualitative Steigerung nach dem Attentat in Berlin gegeben, aber, so Wolf, er bleibe „vorsichtig optimistisch“, ob sich hier ein dauerhafter Lerneffekt eingestellt habe. Wobei Zylka deutlich machte: „Insgesamt findet die Krisen-berichterstattung auf sehr hohem Niveau statt!“ Gerade in Hinblick auf den reformierten Grimme-Preis und die Auszeichnung einer „besonderen journalistischen Leistung“ stelle sich jedoch die Frage, was hier die Qualitätsmaßstäbe sind und wie diese in Einklang zu bringen seien mit den Statuten des Grimme-Preises. Reicht es, wenn jemand einfach ordentliche Arbeit abliefere für eine Auszeichnung oder müsse hier Herausragendes geleistet werden? „Ich fürchte, das werden wir immer wieder neu verhandeln müssen“, so Wolf. Und der zuletzt mehrfach eingeforderte 24h-Nachrichtenkanal? „Das würde die Situation eher verschärfen“, denn er erhöhe den Druck auf die anderen, so Martens, selbst wenn hier möglicherweise schnell(er) reagiert werden könne. Gerade in Zeiten von Fake News sei der Druck enorm: Eßmüller berichtete, dass etwa nach dem Münchner Amoklauf der RTL-Redaktion 21 Videos angeboten wurden, von denen sich die Hälfte nach eingehender Prüfung als falsch erwiesen hätten.

Was könnte zukünftig besser laufen? Einen sorgfältigeren Umgang mit Sprache wünschte sich Martens, während Zylka „mehr Transparenz“ einforderte – gerade auch als Antwort auf die Lügenpresse-Debatte. „Leider wird sich das Rad nicht zurückdrehen lassen“, so Eßmüller, was jedoch nicht zu Lasten der Qualität gehen dürfe. „Aber man darf auch nicht der Letzte sein“, so die RTL-Moderatorin.

Bert-Donnepp-Preis

Für einen zusätzlichen Glanzpunkt sorgte schließlich die Verleihung des Bert-Donnepp-Preises – des Deutschen Preises für Medienpublizistik. Er ging für das Jahr 2016 an die Autorin, freie Journalistin und ehemalige „Kriegsreporterin“ der taz, Silke Burmester, das „Pussy Riot Girl des deutschen Medienjournalismus“, so Laudator Willi Winkler (SZ). Eine „Besondere Ehrung“ erhielt der – leider abwesende – Autor, Regisseur, Produzent und Moderator Gero von Boehm für sein außerordentliches Gesamtwerk.

4. Juni 2014

Neue Direktorin des Grimme-Instituts bekennt sich zum Standort Marl

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„Marl ist und bleibt Standort des Grimme-Instituts und des Grimme-Preises“: Die neue Institutsdirektorin Dr. Frauke Gerlach (50) ließ während ihres Antrittsbesuchs im Rathaus der Stadt Marl keinen Zweifel daran, dass die Zukunft der renommierten Medieneinrichtung in Marl liegt.
Die neue Frau an der Spitze des Medieninstituts möchte „sicherlich auch im Sinne von Dr. Bert Donnepp“ – dem Gründer der Marler Volkshochschule „die insel“ und des Grimme-Preises – die Medienkritik wieder stärker in den Mittelpunkt der Institutsarbeit rücken. „Ich möchte dazu betragen, das Grimme-Institut wieder stärker als Ort der Medienkritik zu etablieren und damit auch als Marls Stellung als Medienstandort festigen“, beschrieb Dr. Frauke Gerlach ihr ambitioniertes Ziel. Die Juristin und ausgewiesene Medienexpertin hat im Mai die Leitung des Grimme-Instituts von Uwe Kammann übernommen.

Grimme-Institut: Ort der Medienkritik
Das Grimme-Institut zählt zum kleinen Kreis renommierter Forschungs- und Dienstleistungseinrichtungen in Europa, die sich mit Fragen der Medienkultur befassen. Das Institut verleiht u.a. den Grimme-Preis für Qualitätsfernsehen, der im April zum 50. Mal im Theater Marl feierlich vergeben wurde.
Klares Bekenntnis zum Standort
Die Stadt Marl freute sich über das klare Bekenntnis zum Standort. Die Veranstaltungen zum 50. Jubiläum des Grimme-Preises hätten eindrucksvoll gezeigt, dass „der Grimme-Preis und das Grimme-Institut zwei bedeutende kulturelle Leuchttürme unserer Stadt und hier fest verwurzelt sind“. Die Stadt Marl zeigte sich überzeugt, dass die Stadt Marl den Grimme-Preis und das Grimme-Institut „auch in Zukunft im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen werde“.
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15. Februar 2014

50 Jahre Grimme-Preis: „Kulturelle Vielfalt gemeinsam erleben“

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50 Jahre Grimme-Preis: Die Stadt Marl nutzt das Ereignis, um die professionelle und ehrenamtliche Kulturarbeit in Marl in ihrer ganzen Bandbreite zu zeigen.­ Am 4. April feiert der Grimme-Preis sein großes Jubiläum. Kurz vor der 50. Preisverleihung erhalten Marler Kultureinrichtungen und Initiativen die Gelegenheit, sich beim „Fest der Kultur“ einem breiten Publikum zu präsentieren. Die Stadt Marl sieht in der Veranstaltung eine weitere Chance, „kulturelle Vielfalt gemeinsam zu erleben“ und ruft jetzt zur regen Teilnahme auf.
Die Veranstaltung soll Lust auf die Kultur in unserer Stadt wecken und zeigen, was Marl kulturell alles auf die Beine stellen kann. Alle sind herzlich eingeladen, ein großes Fest der Kultur zu feiern“.

„Vorspiel zum Fest der Kultur“
Wenn der Grimme-Preis seinen 50. Geburtstag begeht, soll das große Ereignis in Marl nicht nur für das fernsehkritische Fachpublikum etwas Besonderes werden, sondern auch für die Bürger. Die Stadt Marl nutzt das Ereignis, um die professionelle und ehrenamtliche Kulturarbeit in Marl in ihrer ganzen Bandbreite zu zeigen. Bereits beim „Vorspiel zum Fest der Kultur“ in der Zeit vom 17. bis 28. März sollen Chöre, Musikgruppen sowie weitere kulturelle Initiativen die Gelegenheit erhalten, sich bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Stadt Marl mit dem Center-Management des „Marler Stern“ zu präsentieren. Auf der Show-Bühne im Marler Stern bieten sie einen Vorgeschmack auf das „Fest der Kultur“. Denn am 29. März können sich alle Gruppen an einem großen „Markt der Möglichkeiten“ beteiligen und über ihre kulturelle Arbeit informieren.
Anmeldung

Interessierte Vereine, Gruppen oder auch Einzelpersonen können sich ab sofort zum „Vorspiel“ und zum „Fest der Kultur“ in der insel-VHS bei Heike Furmanek (Tel. 99 4242) oder bei Dr. Fritz Rieß (Tel. 99 4240).

5. Februar 2014

„Außer Kontrolle“ ARD-Reporter Hubert Seipel spricht beim Bergfest des Grimme-Preises in Marl über die Dimension seines Snowden-Interviews

Im Rahmen der Bert-Donnepp-Preisverleihung äußerte sich ARD-Reporter Hubert Seipel zu seinem kürzlich ausgestrahlten Fernsehinterview mit dem ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden. „Durch ihn wissen wir: Wir Nutzer werden täglich angegriffen. Es ist außer Kontrolle geraten.“ Nur wenn alle das Thema öffentlich hielten, werde sich eine Lösung finden. Edward Snowden wurde im Rahmen des Bergfestes zum 50. Grimme-Preis 2014 als „Aufklärer des Jahres“ geehrt. Er habe sich, so die Jury, „um die Demokratie verdient gemacht“.
Am Abend des 4.2 verlieh der Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises den mit 5.000 Euro dotierten Bert-Donnepp-Preis – Deutscher Preis für Medienpublizistik. In diesem Jahr wurden Thomas Lückerath, Gründer von dwdl.de, und der Journalist und Blogger Peer Schader ausgezeichnet. Schrifstellerin und Autorin Barbara Sichtermann wurde die Besondere Ehrung zugesprochen.
Snowdens Verdienst
Hubert Seipel machte im Gespräch mit Grimme-Direktor Uwe Kammann klar, dass das Internet gewandelt habe: „Es ist eine Technik, die nicht mehr kontrolliert wird. Es ist ein perfektes Kontrollinstrument für Regierungen und Geheimdienstgemeinden“, so der Filmemacher. Vorbei sei der Gedanke des schönen Internets: „Man hat ja immer gedacht, das Netz ist so schön wie die Apple-Produkte. Aber nichts da: Es ist weder schön, noch wunderbar, noch kalifornisch.“ Snowdens Verdienst sei es, dass er uns die Dimension klar gemacht hat, inwieweit wir alle angegriffen werden.
Uwe Kammann, Direktor des Grimme-Institutes, begrüßte mehr als 250 Gäste – unter ihnen zahlreiche Nominierte für den diesjährigen Grimme-Preis: „Hier gehört das Nah-Sehen zum System. In der Runde der letzten 66 dabei zu sein, ist eine ganze Menge.“ Preisträger Thomas Lückerath wurde bei seiner Ehrung von Kai Blasberg, Geschäftsführer von Tele 5, überrascht. Der Senderchef lobte Lückeraths journalistisches Können: „Er hält mit gar nichts hinterm Berg, er stellt Nähe her und ist trotzdem ein fantastischer Journalist.“ Blasberg zeigte einen kurzen satirischen Einspieler über seinen Freund und Kollegen Lückerath, den „grenzgenialen Gründervater der DWDL“. Thomas Lückerath gab sich bescheiden: „Vor Ihnen steht eigentlich ein 19jähriger Schüler, der etwas ausprobiert hat, was ihn interessierte.“ Über seine Arbeit bei DWDL sagt er, dass man „am Ende meistens verblüfft ist, wie viel Zeit man mit etwas verbringen kann, das einem Spaß macht. So geht es mir mit DWDL.“
Für Peer Schader fand Medienjournalist Stefan Niggemeier besondere Worte in seiner Laudatio: „Peer schreibt unvoreingenommen über Fernsehen. Er ist unprätentiös und uneitel und nimmt das Medium Fernsehen ernst. Er fragt: Warum kann es nicht besser sein?“. In seiner Replik ist sich Schader sicher: „Der Preis ist ein weiterer Beleg dafür, das Medienkritik im Internet funktioniert. Ich glaube, dass es sich besonders für die Medienkritik lohnt, im Internet genauer hinzuschauen, was Fernsehen für Auswirkungen hat.“
Barbara Sichtermann, Schriftstellerin, Autorin und langjähriges Jurymitglied bei Grimme, erhielt die Besondere Ehrung. Ihr Jury-Kollege, Schriftsteller Torsten Körner, fand lobende Worte. „Sie ist eine skeptische Euphorikerin und eine euphorische Skeptikerin. Wir alle wären ärmer ohne ihre intellektuelle Freibeuterei“, so Körner. Sichtermann blickte in ihrer Dankesrede auf ihre Arbeit im Rahmen des Grimme-Preises zurück: „Gute Juryarbeit ist auch immer eine Stunde der wahren Emfindungen: Meinungen, Urteile und Analysen über Fernsehen haben ihre Wurzeln in unseren Gefühlen.“Im Anschluss an die Verleihung hatten die Gäste ausreichend Gelegenheit, über die diesjährigen Nominierungen zu sprechen. Genug Gesprächsstoff gab es in jedem Fall.
Quelle : Grimme-Institut

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29. März 2013

49. Grimme-Preis 2013 in Marl: Das sind die Gewinner

 

 

Die Gewinner des 49. Grimme-Preises 2013 stehen fest. „Packende Fernsehfilme auf höchstem professionellen Niveau, bewegende und formal ausgefeilte Dokumentationen sowie pointierte Unterhaltung kennzeichnen den aktuellen Grimme-Preis-Jahrgang“, so Grimme-Direktor Uwe Kammann in seiner Bilanz . „Auffällig sind auch die starken zeitgeschichtlichen Bezüge, die sogar bis in die Unterhaltung reichen.“ Wie in den Vorjahren beeindrucke das deutsche Fernsehen durch herausragende Qualitäten an der Spitze. Insgesamt werden in den drei Wettbewerbskategorien Fiktion, Information & Kultur sowie Unterhaltung zwölf Preise vergeben.

Fünf Produktionen werden im Wettbewerb „Fiktion“ ausgezeichnet. „Der letzte schöne Tag“ (WDR) erzählt von einer Familie, die nach dem Selbstmord der Mutter wieder zu neuer Normalität finden will. Die Trophäen gehen an die Autorin Dorothee Schön, Regisseur Johannes Fabrick und Wotan Wilke Möhring stellvertretend für das Darstellerteam.

Für ihre Leistungen im Justiz-Drama „Das Ende einer Nacht“ (ZDF), das sich um eine mögliche Vergewaltigung dreht, erhalten Autor Magnus Vattrodt, Regisseur Matti Geschonneck sowie die Schau- spielerinnen Ina Weisse und Barbara Auer eine Grimme-Trophäe. Weitere Auszeichnungen gehen an Autor Jochen Bitzer, Regisseur Stephan Wagner und Darsteller Robert Atzorn für ihren Film „Der Fall Jakob von Metzler“ (ZDF), der den Entführungsfall des Frankfurter Bankierssohnes rekonstruiert.

Thomas Kirchner (Buch), Christian Schwochow (Regie), Lars Lange (Ausstattung) sowie die Darsteller Jan Josef Liefers, Claudia Michelsen und Sebastian Urzendowsky erhalten einen Grimme-Preis für „Der Turm“ (MDR/Degeto/BR/NDR/WDR/SWR/rbb). Der Zweiteiler gibt Einblick in den Alltag der Bildungselite Dresdens in den 80er Jahren, kurz vor dem Ende der DDR. Ein Grimme-Preis „Spezial“ geht an Anke Greifeneder, Quirin Berg, Tobi Baumann, Sebastian Wehlings und Christian Lyra für die Idee und Konzeption des Formats „Add a friend“ (TNT Serie).

Für Grimme-Direktor Uwe Kammann zeichnen sich alle Preis-Produktionen durch „markante Erzählweisen mit jeweils sehr indi- vidueller Handschrift“ aus. Daneben überzeugten sie durch exzellente Darsteller, sehr überzeugende Vergegenwärtigungen von Milieus, Zeitumständen und gesellschaftlichen Konfliktlinien. „Und dies alles mit hoher formaler Gestaltungskraft.“

In der Kategorie „Information & Kultur“ wird Thomas Riedelsheimer für seinen Film „Seelenvögel“ (WDR) ausgezeichnet, in dem er drei an Leukämie erkrankte Kinder begleitet. Eric Friedler bekommt einen Grimme-Preis für seine Dokumentation „Ein deutscher Boxer“ (NDR/SWR), die Höhen und Tiefen im Leben von Charly Graf nachzeichnet. Für das Portrait „Vaterlandsverräter“ (ZDF/ARTE) über den früheren DDR-Schriftstellers Paul Gratzik erhält Annekatrin Hendel eine Auszeichnung. Andrej Nekrasov, György Dalos, Christian Beetz und Georg Tschurtschenthaler erhalten einen Grimme-Preis für die Reihe „Lebt wohl, Genossen!“ (ZDF/ARTE/rbb), in der sie den Untergang der Sowjetunion aus unterschiedlichsten Blickwinkeln erzählen. Einen Grimme-Preis in der Kategorie „Spezial“ erhält Bettina Braun für ihre Langzeitbeobachtung von drei Kölner Migranten in der Dokumentar- Triologie „Was lebst Du?“, „Was du willst“ und „Wo stehst du?“ (ZDF).

„Die Dokumentationen sind durch eine intensive Nähe zu den Menschen, einen sehr sorgfältigen Umgang mit den Biographien und Lebensumständen sowie durch formale kongeniale Übersetzungen der jeweiligen Besonderheiten geprägt“, so Uwe Kammann. Damit entstünden „dichte Bilder von Wirklichkeiten, die wiederum den Eindruck hoher Wahrhaftigkeit vermitteln.“

Im Wettbewerbskontingent „Unterhaltung“ erhalten Mizzi Meyer, Arne Feldhusen und Bjarne Mädel einen Grimme-Preis für die Folge „Schottys Kampf“ aus der Serie „Der Tatorteiniger“ (NDR). In der Ausgabe wird Heiko ‚Schotty‘ Schotte zu einem Einsatz in ein Vereinsheim brauner Gesinnungsgenossen gerufen. Weiterhin werden die Macher von „Switch Reloaded – ‚Wetten, dass..?‘-Spezial“ (ProSieben) ausgezeichnet, namentlich Martin Brindöpke und Markus Hennig (beide Buch), Dirk Nabersberg (Regie), Sarah Wirtz (Maske) und Max Giermann (stellvertretend für das Ensemble). Hier wird die Premiere des neuen „Wetten, dass..?“-Moderators Markus Lanz satirisch aufs Korn genommen.

„Es ist so ungewöhnlich wie gerechtfertigt“, so Grimme-Chef Uwe Kammann, „dass der ‚Tatortreiniger’ schon zum zweiten Mal einen Preis erhält. Die thematisch so ausgefallene, weil hochpolitisch zugespitzte Folge bietet schlicht eine nochmalige Qualitätssteigerung, unkonventionell in jeder Hinsicht.“ Die Unterhaltungssatire „Switch Reloaded“ wiederum stehe für intelligente und perfekt funktionierende Fernsehparodie.

Der Sonderpreis Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen geht in diesem Jahr an Shaheen Dill-Riaz für „Fremde Kinder – Der Vorführer“ (ZDF/3sat), der hier von einem Filmvorführer in Indien erzählt. Eine lobende Erwähnung der Jury geht an die Produktion „WIR“ (WDR/Planet Schule) von Anna Wahle für die herausragende Bildgestaltung und die gelungene Verdichtung von dokumentarischem Inhalt und experimenteller Form.

Der Publikumspreis der Marler Gruppe geht an Beate Langmaack (Buch), Rainer Kaufmann (Regie) sowie Devid Striesow und Stipe Erceg (beide Darstellung) für den Fernsehfilm „Blaubeerblau“ (BR/MDR/Degeto), der zeigt, wie Menschen sich mit dem Leben in einem Hospiz auseinandersetzen. Jan Schomburg erhält das Eberhard-Fechner- Förderstipendium der VG Bild-Kunst für den Fernsehfilm „Über uns das All“ (WDR). Der Film begleitet eine junge Frau nach dem un- erwarteten Selbstmord ihres Mannes auf ihrem Weg zurück ins Leben.

Dem Regisseur Matti Geschonneck hat der Stifter des Grimme- Preises, der Deutsche Volkshochschulverband, in diesem Jahr die Besondere Ehrung für seine herausragenden Verdienste um das deutsche Fernsehen zugesprochen.

Die 49. Verleihung des Grimme-Preises findet am 12. April 2013 im Theater der Stadt Marl statt. Sie wird in voller Länge per Livestream auf http://www.3sat.de und http://www.spiegel.de zu sehen sein. Die Preisgala wird zeitversetzt um 22.25 Uhr auf 3sat ausgestrahlt. Moderiert wird die Verleihung von Michael Steinbrecher.

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29. Januar 2013

Deutscher Volkshochschul-Verband ehrt Fernsehregisseur / „Inszenatorisch virtuoser und handwerklich hochversierter Fernsehkünstler“

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Besondere Ehrung geht an Matti Geschonneck

 

Der erste Preisträger im Rahmen des 49. Grimme-Preises 2013 steht fest. Dem Fernsehregisseur Matti Geschonneck wird die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschulverbandes (DVV) zugesprochen. Dies gab das Grimme-Institut am 29. Januar in Düsseldorf bekannt.

 

Mit Matti Geschonneck, so heißt es in der Begründung des DVV, werde die Besondere Ehrung einem Fernsehregisseur zugesprochen, der „in der Summe seiner Eigenschaften den deutschen Fernsehfilm seit Anfang der 90er Jahre geprägt hat wie kaum ein zweiter“. Mit ihm werde ein „inszenatorisch virtuoser und handwerklich hochversierter Fernsehkünstler“ ausgezeichnet, „der in außergewöhnlich vielfältiger Weise und mit attraktivem Genre-Reichtum die komplexen Beziehungsgeflechte der menschlichen Welten und der gesellschaftlichen Verhältnisse interpretiert und in seltener Intensität darstellt.“

 

Damit sei Geschonneck, dem es in der Grundimprägnierung seiner Themen und Sujets um die elementaren Dinge des Lebens gehe, „ein Fernseh-Aufklärer durch und durch, jemand, der den Idealen vielfältiger Bildung in jeder Hinsicht verpflichtet ist.“ In seiner Kunst wiederum sei er „immer nah beim Publikum, das sich in seinen Filmen nahezu beiläufig selbst näherkommt und erkennen kann – auf beste Art spannend und subtil unterhalten.“

 

Der besondere formale Reichtum seiner Filme werde, so hebt es die Begründung weiter hervor, „nie ausgestellt, sondern eingehegt und in den einzelnen Spiel-Zutaten genau abgemessen, um jede aufdringliche Opulenz und aufgeschäumte Schaustücke zu vermeiden“. Nicht zuletzt werde – wenn auch rarer – die Kunst ironischer Brechungen und komödiantischer Elemente eingesetzt, immer in feiner Ziselierung.

 

Bei dieser auch klar auf die „Autorität des Könners“ setzenden Meisterschaft sei es „kein Wunder, dass die erste Schauspielerriege sich mit eben so viel Respekt wie Lust Geschonnecks zugewandter Animation und seiner handwerklichen Sicherheit anvertraut und daraus gesteigerte Spiel-Räume gewinnt: von Iris Berben bis Axel Milberg, von Conny Froboess bis Jan Josef Liefers, von Martina Gedeck bis Ulrich Tukur.“

 

Die Anfangsjahre von Geschonnecks Regiearbeit waren stark von Krimireihen wie „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ bestimmt, bevor er sich immer stärker Einzelstücken widmete. Zu den bekanntesten seiner bald 50 Filmtitel gehören „Der Mörder und sein Kind“, „Angst hat eine kalte Hand“, „Jenseits der Liebe“, „Die Tote am Deich“, „Mord am Meer“, „Duell in der Nacht“ und zuletzt „Tod einer Polizistin“. Für den Politthriller „Die Nachrichten“ und das Psycho-Kammerspiel „Liebesjahre“ wurde Geschonneck 2006 und 2012 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

 

Matti Geschonneck, geboren 1952 in Potsdam als Sohn des Schauspielers Erwin Geschonnek und der Schauspielerin Hannelore Wüst, studierte am Eisenstein-Institut in Moskau vier Jahre Regie. Weil er sich von Wolf Biermann nach dessen Ausbürgerung aus der DDR nicht distanzierte, wurde er vom Studium abberufen und ihm der Wechsel in die damalige Bundesrepublik nahegelegt. Hier arbeitete er zunächst als Regieassistent, so bei Eberhard Fechner, bevor der Anfang der 90er Jahre selbst Regie führte. Außer den Fernseharbeiten drehte er zwei Kinofilme: „Moebius“ und „Boxhagener Platz“.

 

Die Besondere Ehrung im Rahmen des Grimme-Preises wird vom Stifter dieser Fernsehauszeichnung, dem Deutschen Volkshochschul-Verband (DVV), verliehen. Sie wird laut Statut Persönlichkeiten zugesprochen, die sich in herausragender Weise um das Fernsehen verdient gemacht haben. Zu den Preisträgern der letzten Jahre gehören Elke Heidenreich, Iris Berben, Klaus Doldinger, Alexander Kluge, Thomas Gottschalk und Hannelore Hoger.

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13. März 2012

Grimme-Preis lockt Medienprominenz nach Marl

Grimme-Preis
Mit dem renommierten Grimme-Preis werden auch in diesem Jahr wieder herausragenden Leistungen im deutschen Fernsehen ausgezeichnet.

Auch in diesem Jahr darf Marl sich auf viel Medienprominenz freuen. Zu den Preisträgern, die am 23. März 2012 im Theater Marl den begehrten Grimme-Preis erhalten, zählen u.a. Iris Berben, Nina Kunzendorf, Axel Milberg, Dominik Graf, Rosa von Praunheim und Hannelore Hoger.

Mit dem renommierten Grimme-Preis werden auch in diesem Jahr wieder herausragenden Leistungen im deutschen Fernsehen ausgezeichnet. „Eindrucksvolle, zupackende und nachdrückliche Dokumentationen, herausragende Fernsehfilme mit einem großen Themenspektrum und originelle Unterhaltungsformate prägen den Grimme-Preisjahrgang 2012″, sagte Uwe Kammann, Dierktor des Grimme-Instituts in Marl, heute bei der Bekanntgabe der Preisträger in Düsseldorf. Insgesamt haben die unabhängigen Jurys zwölf Produktionen in den drei Wettbewerbskategorien Fiktion, Information und Kultur sowie Unterhaltung mit einem Grimme-Preis bedacht.

Zehnter Grimme-Preis für Dominik Graf

Zu den Grimme-Preisträgern 2012 gehören u.a. die Schauspieler Iris Berben, Peter Simonischeck, Nina Kunzendorf und Axel Milberg. Sie erhalten die Trophäe für ihre schauspielerischen Leistungen in „Liebesjahre“ (ZDF). Der Regisseur Dominik Graf darf sich auf seinen insgesamt zehnten Grimme-Preis freuen. Er erhält in diesem Jahr einen Grimme-Preis „Spezial“ gemeinsam mit Christian Petzold und Christoph Hochhäusler für das drei Filme umfassende ARD-Projekt „Dreileben (ARD/BR/Degeto/WDR). Autor und Regisseur Rosa von Praunheim wird für seinen Dokumentarfilm „Die Jungs vom Bahnhof Zoo“ (rbb/NDR) ebenfalls mit einer Grimme-Trophae ausgezeichnet.

Publikumspreis der Marler Gruppe

Der Publikumspreis der „Marler Gruppe“ geht an die Macherinnen und Macher der Dokumentation „Mein Leben – Die Fotografin Sybille Bergmann“ (ARTE/ZDF): an die Regisseurin Sabine Michel und die Autorin Maris Wischnewski sowie an Uwe Mann für die Bildgestaltung und Ann-Christin Hornberger für die Redaktion.

Besondere Ehrung für Hannelore Hoger

Die besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschulverbandes als Stifter des Grimme-Preises erhält die Schauspielerin Hannelore Hoger für ihre besonderen Verdienste um das deutsche Fernsehen. Moderiert wird die Grimme-Preis-Gala im Theater Marl von Michael Steinbrecher.

Großes Medienecho

Die Grimme-Preis-Gala am 23. März wird von 3sat zeitversetzt ab 22.25 Uhr übertragen. das ZDF widmet der Preis-Gala ein „aspekte extra“ um 0.50 Uhr.

Alle wichtigen Informationen zum Grimme-Preis 2012 und den Preisträgern gibt es im Internet unter www.grimme-preis.de .

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19. Januar 2012

Nominierungen für 48. Grimme-Preis 2012 stehen fest

Moderationstrio des Eurovision Song Contest 2011 für Grimme-Preis nominiert
Nominierungen für 48. Grimme-Preis 2012 stehen fest / Grimme-Direktor: „Herausragende Qualitäten an der Spitze

(Marl) Stefan Raab, Anke Engelke und Judith Rakers können sich Hoffnungen auf einen Grimme-Preis machen. Sie sind für ihren „Opening Act“ und die Gesamtpräsentation der auch international hochgelobten Final-Sendung des Eurovision Song Contest 2011 nominiert. Weiter gehen unter anderem auch die Macher von „neoParadise“ (ZDFneo/ZDF), „Danni Lowinski“ (Sat.1), „Let’s Dance“ (RTL), „Homevideo“ (ARTE/NDR/BR) und „Die Jungs vom Bahnhof Zoo“ (rbb/NDR) ins Endrennen um eine Auszeichnung.

Eine Entscheidung beim diesjährigen Wettbewerb steht bereits fest: Die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes für herausragende Verdienste um das Fernsehen geht an die Schauspielerin Hannelore Hoger.

Insgesamt haben die Auswahlkommissionen 61 Produktionen für einen der insgesamt zwölf Grimme-Preis nominiert. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind dabei mit insgesamt 53 Sendungen vertreten, während die privaten Sender (hier: mit RTL, ProSieben, Sat.1, VOX und Tele5) auf zusammen acht Nominierungen kommen.

In einer ersten Bilanzierung kommt der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann, zu dem Fazit: „Bei den Nominierungen für das Sendejahr 2011 zeigt sich, wie schon in den vergangenen Jahren, eine erfreuliche Konstante: In der Spitze des deutschen Fernsehens gibt es ein hohes Maß an sehr guten, auch herausragenden Qualitäten, bei leider immer noch klarem Übergewicht der öffentlich-rechtlichen Programme. Insgesamt gilt: Die Vielfalt an Themen, an Formen und an ausgeprägten individuellen Handschriften ist beeindruckend, speziell auch in der Fiktion.“

Im Wettbewerbsbereich „Information & Kultur“ gehen 20 Einzelsendungen und Mehrteiler ins Rennen um einen Grimme-Preis. Dazu gehört die Dokumentation „Auf der Suche nach Peter Hartz“ (ARD/SWR/WDR), die den ehemaligen Spitzenmanager von VW und Arbeitsmarkt-Reformer unter der Regierung Schröder beobachtet. „Alarm am Hauptbahnhof – Auf den Straßen von Stuttgart 21“ zeichnet eine persönliche Chronik der Protestbewegung zwischen 2010 und 2011. Der Film „45 Min. – Schmutzige Schokolade“ (NDR) zeigt, wie erschreckend groß der Anteil von Kinderarbeit bei der Kakao-Ernte in Afrika ist. Im Bereich „Serien/Mehrteiler“ sind „Sportclub History“ (NDR), , „Der Marker“ (ZDFkultur/ZDF) sowie „Hitlers Polizei“ (ARD/rbb/WDR) nominiert.

„Die Kategorie Information und Kultur sei, wie Uwe Kammann zusammenfassend anmerkt, „weiterhin und ausschließlich eine Domäne der Öffentlich-Rechtlichen“. Besonders anzuerkennen sei, dass es eine Reihe von breitgefächerten Angebote auf hohem Niveau gebe: von der engagierten, zupackenden Reportage über eindringliche Porträts, einfühlsame Fallstudien und reflektierende Filmessays bis zu intensiven Langzeitbeobachtungen.

Unter den 23 Produktionen im Wettbewerbskontigent „Fiktion“ findet sich unter anderem der Film „Homevideo“ (ARTE/NDR/BR), der eindringlich die fatalen Folgen behandelt, die ein in den Internat-Umlauf gestelltes kompromittierendes Privatvideo eines Schülers hervorruft. Auch der „Polizeiruf 110: Cassandras Warnung“ (ARD/BR) – hier muss der neue Münchner Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) gegen einen Kollegen ermitteln -, ist für einen Grimme-Preis nominiert. Die Nominierungskommission hat ebenfalls die Serie „Ion Tichy“ (ZDFneo/ZDF) und den Mehrteiler „Verschollen am Kap“ (ZDF) für eine Auszeichnung vorgeschlagen.

In der Unterkategorie „Spezial“, die spezielle persönliche Leistungen bedenkt, sind drei Auszeichnungen möglich: Einmal für das Ermittlerduo Anneke Kim Sarnau und Charlie Hübner („Polizeiruf 110“, ARD/NDR), dann für Dominik Graf, Christoph Hochhäusler und Christian Petzold wegen der Film-Besonderheit „Dreileben“ (ARD/BR/Degeto/WDR) sowie Burkhard Althoff und Milena Bonse („Wer rettet Dinah Foxx?“, ZDF).

Es sei erfreulich, dass bei der Fiktion die schon in den Vorjahren festgestellte Qualität diesmal auch in der Breite zugenommen habe, so der Grimme-Direktor. Dies gelte für die wieder einmal starken Krimi-Reihen ebenso wie für die in erfreulich hoher Zahl präsenten exzellenten Einzelstücke. Dürftig allerdings sei diesmal das Niveau der Serien, was sich in nur zwei Nominierungen niederschlage. Dass bei der Fiktion auch die großen Namen wieder dabei seien, von Matti Geschonneck bis Dominik Graf, sei nicht überraschend: „Hohe Qualität hat nicht zuletzt mit der Kombination von ausgefuchster Professionalität und konstanter Leidenschaft zu tun.“

Im Bereich Unterhaltung sind 18 Produktionen nominiert. Darunter befinden sich die Late-Night-Show „neoParadise“ (ZDFneo/ZDF), das Musik-Doku-Format „Cover my Song“ (VOX) sowie die Tanzshow „Let’s Dance“ (RTL). Serien und Mehrteiler sind hier vertreten mit der fünften Staffel von „Pastewka“ (Sat.1), mit „Danni Lowinski“ (Sat.1) und „Stromberg“ (ProSieben) sowie „Der Tatortreiniger“ (NDR).

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19. Januar 2012

Besondere Ehrung für Hannelore Hoger

Preisstifter: „Hohe Darstellungsintelligenz, stets spürbare Interpretationswachheit, intensive Präsenz

(Marl) Der erste Preisträger im Rahmen des diesjährigen Grimme-Preises steht fest. Hannelore Hoger wird die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) zugesprochen. Dies gab das Grimme-Institut am 19. Januar in Marl bekannt.
Mit Hannelore Hoger, so heißt es in der Begründung des Deutsche Volkshochschul-Verbandes, werde die Besondere Ehrung einer Schauspielerin zugesprochen,“die ihren Zuschauern nicht alltägliche Wahrnehmungsräume und Verhaltensweisen erschließt, auch im Sinne der Persönlichkeitsbildung.“ Dabei verbinde sie „in außerordentlicher Weise eine hohe Darstellungsintelligenz und eine stets spürbare Interpretationswachheit mit einer intensiven Präsenz und mit immer wieder neuen, auch überraschenden Facetten und Perspektiven.“ Auf diese Weise habe sie das deutsche Fernsehen „in ganz unterschiedlichen Rollen mit einer beeindruckenden Bandbreite an Figuren und Interpretationen bereichert und maßgeblich wichtige und wertvolle Segmente der TV-Erzählkunst so selbstbewusst wie reflektiert geprägt.
Beim Lob der „besonderen Kunst eines eindringlichen, außerordentlich vielfältigen und facettenreichen Spiels“ wird auch hervorgehoben, dass Hannelore Hoger „nie in enger Weise auf eine Darstellung festgelegt“ sei, „auch nicht bei jener Figur, die dem Publikum seit knapp zwei Jahrzehnten an das Herz und den Verstand gewachsen ist: der Kommissarin Bella Block.“
Kennzeichnend für die Fernseh-, Film- und Theaterschauspielerin seien Eigenschaften und Eigenheiten wie „eigensinnig, eigenständig, eigenwillig“ und eine „nachhaltig prägende Präsenz“.

Die Besondere Ehrung im Rahmen des Grimme-Preises wird vom Stifter dieser Fernsehauszeichnung, dem Deutschen Volkshochschul-Verband, verliehen. Sie wird laut Statut Persönlichkeiten zugesprochen, die sich in herausragender Weise um das Fernsehen verdient gemacht haben. Zu den Preisträgern der letzten Jahre gehörten Elke Heidenreich, Iris Berben, Klaus Doldinger, Alexander Kluge und Thomas Gottschalk.

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