Posts tagged ‘Grimme-Institut’

11. Februar 2017

Grimme-Preis: „Bergfest“ im Grimme-Institut in Marl

Blick in den großen Saal des Grimme-Instituts. (Foto: Georg Jorczyk / Grimme-Institut)

Endlich Halbzeit! Gestern feierten die Grimme-Jurys gemeinsam mit zahlreichen Nominierten das traditionelle „Bergfest“ im Grimme-Institut, was mit rund 250 Gästen für ausgelassene Stimmung und „kleine Augen“ am Folgetag sorgte. Eine Diskussionsrunde zu den Themen „Fernsehen während Krisen“ und „Besondere Journalistische Leistung“ in Zeiten von Fake News lieferte einen inhaltlichen Input; die feierliche Verleihung des Bert-Donnepp-Preises für Medienpublizistik versprühte zusätzlichen Glanz.

Begrüßung durch Frauke Gerlach

Grimme-Direktorin Frauke Gerlach freute sich in ihrer Begrüßung über die Weiterentwicklung des Instituts und seiner Preise, die spürbar Früchte trage. Seit 2016 können – unter anderem – besondere journalistische Leistungen geehrt werden, inhaltlich gehe es dabei vor allem um die Qualität aktueller Berichterstattung im TV-Bereich. „In Zeiten von Fake News und Populismus ist diese wichtiger denn je“, stellte Gerlach klar. Gemeint sei Fernsehjournalismus, „der uns besonnen, fachlich versiert und reflektiert aktuelle Geschehnisse berichtet, Hintergründe recherchiert und beleuchtet“. Er gehört für die Grimme-Direktorin zum Wesenskern einer freiheitlichen Demokratie. Gerlach weiter: „Der Preis für besondere journalistische Leistung bietet hier Orientierung und zeigt beispielhaft, wie Qualität im Fernsehjournalismus aussehen kann.“ Und bei Grimme entscheiden darüber unabhängige Jurys nach sorgfältiger Programmbeobachtung: „Das Grimme-Institut will damit auch einen Beitrag gegen die pauschale Diskreditierung des Journalismus als Lügenpresse leisten.“

Gesprächsrunde

Unter der Moderation von Peter Stawowy diskutierten im Anschluss Ilka Eßmüller (RTL) und drei Mitglieder der Nominierungskommission bzw. -jury Information & Kultur, René Martens, Fritz Wolf und Jenni Zylka, alle freie Journalisten. Letztere waren sich schnell einig: Im Vergleich zur Berichterstattung nach dem Amoklauf in München habe es eine qualitative Steigerung nach dem Attentat in Berlin gegeben, aber, so Wolf, er bleibe „vorsichtig optimistisch“, ob sich hier ein dauerhafter Lerneffekt eingestellt habe. Wobei Zylka deutlich machte: „Insgesamt findet die Krisen-berichterstattung auf sehr hohem Niveau statt!“ Gerade in Hinblick auf den reformierten Grimme-Preis und die Auszeichnung einer „besonderen journalistischen Leistung“ stelle sich jedoch die Frage, was hier die Qualitätsmaßstäbe sind und wie diese in Einklang zu bringen seien mit den Statuten des Grimme-Preises. Reicht es, wenn jemand einfach ordentliche Arbeit abliefere für eine Auszeichnung oder müsse hier Herausragendes geleistet werden? „Ich fürchte, das werden wir immer wieder neu verhandeln müssen“, so Wolf. Und der zuletzt mehrfach eingeforderte 24h-Nachrichtenkanal? „Das würde die Situation eher verschärfen“, denn er erhöhe den Druck auf die anderen, so Martens, selbst wenn hier möglicherweise schnell(er) reagiert werden könne. Gerade in Zeiten von Fake News sei der Druck enorm: Eßmüller berichtete, dass etwa nach dem Münchner Amoklauf der RTL-Redaktion 21 Videos angeboten wurden, von denen sich die Hälfte nach eingehender Prüfung als falsch erwiesen hätten.

Was könnte zukünftig besser laufen? Einen sorgfältigeren Umgang mit Sprache wünschte sich Martens, während Zylka „mehr Transparenz“ einforderte – gerade auch als Antwort auf die Lügenpresse-Debatte. „Leider wird sich das Rad nicht zurückdrehen lassen“, so Eßmüller, was jedoch nicht zu Lasten der Qualität gehen dürfe. „Aber man darf auch nicht der Letzte sein“, so die RTL-Moderatorin.

Bert-Donnepp-Preis

Für einen zusätzlichen Glanzpunkt sorgte schließlich die Verleihung des Bert-Donnepp-Preises – des Deutschen Preises für Medienpublizistik. Er ging für das Jahr 2016 an die Autorin, freie Journalistin und ehemalige „Kriegsreporterin“ der taz, Silke Burmester, das „Pussy Riot Girl des deutschen Medienjournalismus“, so Laudator Willi Winkler (SZ). Eine „Besondere Ehrung“ erhielt der – leider abwesende – Autor, Regisseur, Produzent und Moderator Gero von Boehm für sein außerordentliches Gesamtwerk.

4. Februar 2017

Grimme-Preis: „Bergfest“ im Grimme-Institut in Marl

Blick in den großen Saal des Grimme-Instituts. (Foto: Georg Jorczyk / Grimme-Institut)

Endlich Halbzeit! Gestern feierten die Grimme-Jurys gemeinsam mit zahlreichen Nominierten das traditionelle „Bergfest“ im Grimme-Institut, was mit rund 250 Gästen für ausgelassene Stimmung und „kleine Augen“ am Folgetag sorgte. Eine Diskussionsrunde zu den Themen „Fernsehen während Krisen“ und „Besondere Journalistische Leistung“ in Zeiten von Fake News lieferte einen inhaltlichen Input; die feierliche Verleihung des Bert-Donnepp-Preises für Medienpublizistik versprühte zusätzlichen Glanz.

Begrüßung durch Frauke Gerlach

Grimme-Direktorin Frauke Gerlach freute sich in ihrer Begrüßung über die Weiterentwicklung des Instituts und seiner Preise, die spürbar Früchte trage. Seit 2016 können – unter anderem – besondere journalistische Leistungen geehrt werden, inhaltlich gehe es dabei vor allem um die Qualität aktueller Berichterstattung im TV-Bereich. „In Zeiten von Fake News und Populismus ist diese wichtiger denn je“, stellte Gerlach klar. Gemeint sei Fernsehjournalismus, „der uns besonnen, fachlich versiert und reflektiert aktuelle Geschehnisse berichtet, Hintergründe recherchiert und beleuchtet“. Er gehört für die Grimme-Direktorin zum Wesenskern einer freiheitlichen Demokratie. Gerlach weiter: „Der Preis für besondere journalistische Leistung bietet hier Orientierung und zeigt beispielhaft, wie Qualität im Fernsehjournalismus aussehen kann.“ Und bei Grimme entscheiden darüber unabhängige Jurys nach sorgfältiger Programmbeobachtung: „Das Grimme-Institut will damit auch einen Beitrag gegen die pauschale Diskreditierung des Journalismus als Lügenpresse leisten.“

Gesprächsrunde

Unter der Moderation von Peter Stawowy diskutierten im Anschluss Ilka Eßmüller (RTL) und drei Mitglieder der Nominierungskommission bzw. -jury Information & Kultur, René Martens, Fritz Wolf und Jenni Zylka, alle freie Journalisten. Letztere waren sich schnell einig: Im Vergleich zur Berichterstattung nach dem Amoklauf in München habe es eine qualitative Steigerung nach dem Attentat in Berlin gegeben, aber, so Wolf, er bleibe „vorsichtig optimistisch“, ob sich hier ein dauerhafter Lerneffekt eingestellt habe. Wobei Zylka deutlich machte: „Insgesamt findet die Krisen-berichterstattung auf sehr hohem Niveau statt!“ Gerade in Hinblick auf den reformierten Grimme-Preis und die Auszeichnung einer „besonderen journalistischen Leistung“ stelle sich jedoch die Frage, was hier die Qualitätsmaßstäbe sind und wie diese in Einklang zu bringen seien mit den Statuten des Grimme-Preises. Reicht es, wenn jemand einfach ordentliche Arbeit abliefere für eine Auszeichnung oder müsse hier Herausragendes geleistet werden? „Ich fürchte, das werden wir immer wieder neu verhandeln müssen“, so Wolf. Und der zuletzt mehrfach eingeforderte 24h-Nachrichtenkanal? „Das würde die Situation eher verschärfen“, denn er erhöhe den Druck auf die anderen, so Martens, selbst wenn hier möglicherweise schnell(er) reagiert werden könne. Gerade in Zeiten von Fake News sei der Druck enorm: Eßmüller berichtete, dass etwa nach dem Münchner Amoklauf der RTL-Redaktion 21 Videos angeboten wurden, von denen sich die Hälfte nach eingehender Prüfung als falsch erwiesen hätten.

Was könnte zukünftig besser laufen? Einen sorgfältigeren Umgang mit Sprache wünschte sich Martens, während Zylka „mehr Transparenz“ einforderte – gerade auch als Antwort auf die Lügenpresse-Debatte. „Leider wird sich das Rad nicht zurückdrehen lassen“, so Eßmüller, was jedoch nicht zu Lasten der Qualität gehen dürfe. „Aber man darf auch nicht der Letzte sein“, so die RTL-Moderatorin.

Bert-Donnepp-Preis

Für einen zusätzlichen Glanzpunkt sorgte schließlich die Verleihung des Bert-Donnepp-Preises – des Deutschen Preises für Medienpublizistik. Er ging für das Jahr 2016 an die Autorin, freie Journalistin und ehemalige „Kriegsreporterin“ der taz, Silke Burmester, das „Pussy Riot Girl des deutschen Medienjournalismus“, so Laudator Willi Winkler (SZ). Eine „Besondere Ehrung“ erhielt der – leider abwesende – Autor, Regisseur, Produzent und Moderator Gero von Boehm für sein außerordentliches Gesamtwerk.

6. Juli 2014

Marl: Preisträger des Grimme Online Award 2014 ausgezeichnet

DSCN0512Acht publizistisch herausragende Webangebote wurden mit dem Grimme Online Award prämiert. Dies gab das Grimme-Institut im Rahmen der Preisverleihung bekannt, die von Anja Backhaus moderiert und von Roger Cicero musikalisch untermalt wurde.
Besonders beeindruckt zeigte sich die neue Grimme-Direktorin Frauke Gerlach davon, mit welcher herausragenden inhaltlichen und visuellen Qualität im Netz persönliche Geschichten erzählt werden. Zugleich seien die Inhalte ein Spiegel relevanter gesellschaftlicher Themen. Mit dem Grimme Online Award, so Gerlach, „wollen wir einen Beitrag leisten und Anreiz bieten, dass Qualitätsproduktionen mit diesem Niveau und in dieser Vielfalt auch künftig preiswürdig entwickelt werden.“

Auch von der Jury gab es Lob für das Storytelling, das die technischen und optischen Werkzeuge des Netzes nicht nur wie bisher für Reportagen, sondern auch für großartige Dossiers und spannende politische Analysen nutze. Auf große Jury-Zustimmung trafen aber auch Anbieter, die jenseits aufwendiger Visualisierung mit kreativen Ideen neues Publikum fänden – dazu gehörten klassische Blogs ebenso wie ungewöhnliche Videoformate.
Mit großem Jubel begrüßte das Redaktionsteam von „Zwischen Hoffnung und Verzweiflung – der neue Nahe Osten“ die erste Auszeichnung des Abends für ihr Angebot. Das umfassende Webspecial beleuchtet die Veränderungen der letzten Jahre und die gegenwärtige Situation an den Konfliktknotenpunkten des Nahen Ostens. Mit der Auszeichnung würdige die Jury „ein außergewöhnlich umfang- und lehrreiches Dossier, das trotz seiner Fülle gut zu erschließen ist und inmitten aller Kreativität an vielen Stellen mit solidem Handwerk überzeugt.“
Auch der Journalist Tilo Jung bekam in der Kategorie Information eine Trophäe von Laudator Jörg Thadeusz überreicht. Seine Interviewreihe „Jung & Naiv“ lebe, so die Jury, „von unverblümten, eben ‚naiven‘ Fragen und den damit entlockten, teils entlarvenden Antworten von hochrangigen Politikern, Experten und Bürgern.“ Selten habe sich ein neues journalistisches Angebot so erfrischend für die Vermittlung politischer Inhalte gezeigt wie dieses Bewegtbildangebot, dessen zentrale Dreh- und Angelplattform YouTube ist und das von dort aus eine große Medien-Klaviatur bespiele.
Mit einem weiteren Preis in der Kategorie Information wurde der „Pressekompass“ ausgezeichnet. In ihrem Statement hob die Jury lobend hervor, dass nicht nur die Medien-, sondern auch die Nutzermeinung den Ausschlag für die Position der Kompassnadel gebe. Besonders interessant sei der Vergleich zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung in Bezug auf kontrovers diskutierte Themen wie die Thesen Sarrazins oder den Deutschlandbesuch von Erdogan.
Einem brisanten Thema, dem Abbau der Ölsande in Kanada, widmet sich der Gewinner aus der Kategorie Wissen und Bildung, „Fort McMoney“. Mit dem Preis honoriert die Jury ein Webspecial, das durch Anleihen aus der Welt der Videospiele eine kluge, journalistisch auf höchstem Niveau realisierte Reportage in ein Adventure-Game verwandle. „Im Gegensatz zur rein filmischen Immersion“, urteilt die Jury, „erlaubt das Webspecial auch dank aufwendiger Grafik, innovativem Interface und geschickter Kameraperspektive nicht nur die Identifikation, sondern auch die Interaktion mit den dokumentierten Protagonisten.“
„Du fliegst nur einmal“, einer der beiden Gewinner aus der Kategorie Kultur und Unterhaltung, überzeugte die Jury ebenfalls durch eine beispielgebende Visualisierung von Animation und Dokumentation. Mit dieser Reportage über den Weltklasse-Snowboarder Iouri Podladtchikov zeige die Neue Zürcher Zeitung, wie kreatives Geschichtenerzählen heutzutage aussehen könne und beweise eindrücklich, ergänzt die Jury in ihrer Begründung, „dass lange Texte im Web kein Tabu sein müssen.“
Einen auffälligen Kontrast zu solch bild- und farbgewaltiger Aufmachung bietet der weitere Preisträger „42553 Neviges“. Über das Blog, in dem der 68-jährige Norbert Molitor seinen ganz persönlichen Blick auf den Ortsteil der Stadt Velbert wirft, schreibt die Jury „Fotografie und Text wirken durch ihre Schlichtheit und das bewusste Auslassen von Extra-Gimmicks. Mit liebevoll-kritischem Auge und charmant-ironischem Schreibstil entwirft Norbert Molitor ein literarisches und visuelles Panoptikum einer Kleinstadttristesse, das man schlicht ‚Genuss‘ nennen muss.“
Mit einem Preis in der Kategorie Spezial wurde ein Angebot ausgezeichnet, das nach Meinung der Jury seit Jahren als die gewichtigste deutsche Stimme eines unabhängigen Internet und seiner Nutzer bezeichnet werden könne: „netzpolitik.org“. „Den Machern ist es gelungen“, so die Jury, „ein Sammelbecken für jene Opposition zu sein, die nicht hinnehmen will, dass das freie Netz zerstört oder zumindest eingeschränkt wird. Zusammen mit einer stetig wachsenden Community schafft es das mittlerweile auf 30 Autoren angewachsene Team, digitale Themenfelder zu besetzen, um so auch eine Anlaufstelle für die klassischen Medien zu werden.“
Die Überraschung des Abends war die Auszeichnung für das Team von „Pop auf’m Dorf“. Die eigentlich in der Kategorie Kultur und Unterhaltung Nominierten hatten die Hoffnung auf die Auszeichnung schon aufgegeben, als sie doch noch einen Preis in der Kategorie Spezial bekamen. In diesem Fall nutzte die Jury des Grimme Online Award ihre Möglichkeit, ein Angebot zur Preisauszeichnung in eine andere Kategorie zu verschieben. Umso ausgelassener feierten die Macher diese letzte Jury-Prämierung des Abends. Die WDR-Reportage über das „Haldern Pop Festival“ überzeugte neben der gelungenen inhaltlich-emotionalen Ansprache der Nutzer vor allem durch ihre technische Performance. Das speziell für Reportagen entwickelte und Open Source veröffentlichte Programm „Pageflow“ macht es nicht nur der WDR-Redaktion, sondern auch kleineren Anbietern möglich, Texte, Bilder sowie Audio- und Videoinhalte einzubinden. In der Jury-Begründung heißt es dazu: „Der WDR hat ein modernes Reportage-Tool entwickelt, stellt es kostenlos zur Verfügung, setzt damit einen hohen Produktionsstandard und belegt mit seinem bildgewaltigen Beitrag ‚Pop auf’m Dorf‘ überzeugend dessen Möglichkeiten.“
Sieger des Publikumspreises wurde der YouTube-Kanal „LeFloid“, in dem Florian Mundt seinem jungen Publikum auch gesellschaftskritische und politische Themen präsentiert und dadurch eine Diskussion im Netz anregt. Auf die Plätze zwei und drei wählte das Publikum „Spleen24“ und „Ticket nach Berlin“.
Neben dem Grimme Online Award wurde auch der „klicksafe Preis für Sicherheit im Internet“ vergeben. In der Kategorie Webangebote wurde die „fragFINN-App“ ausgezeichnet, Sieger in der Kategorie Projekte wurde „Digitale Helden“. Ausgewählt wurden die Gewinner von einer Fachjury der Initiative „klicksafe“, einem gemeinsamen Projekt der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM).
Für exzellente musikalische Unterhaltung sorgte Roger Cicero. Als letzten von drei Songs sang der Ausnahmekünstler auch die Single „Wenn es morgen schon zu Ende wär“ vom aktuellen Album „Was immer auch kommt“.

4. Juni 2014

Neue Direktorin des Grimme-Instituts bekennt sich zum Standort Marl

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„Marl ist und bleibt Standort des Grimme-Instituts und des Grimme-Preises“: Die neue Institutsdirektorin Dr. Frauke Gerlach (50) ließ während ihres Antrittsbesuchs im Rathaus der Stadt Marl keinen Zweifel daran, dass die Zukunft der renommierten Medieneinrichtung in Marl liegt.
Die neue Frau an der Spitze des Medieninstituts möchte „sicherlich auch im Sinne von Dr. Bert Donnepp“ – dem Gründer der Marler Volkshochschule „die insel“ und des Grimme-Preises – die Medienkritik wieder stärker in den Mittelpunkt der Institutsarbeit rücken. „Ich möchte dazu betragen, das Grimme-Institut wieder stärker als Ort der Medienkritik zu etablieren und damit auch als Marls Stellung als Medienstandort festigen“, beschrieb Dr. Frauke Gerlach ihr ambitioniertes Ziel. Die Juristin und ausgewiesene Medienexpertin hat im Mai die Leitung des Grimme-Instituts von Uwe Kammann übernommen.

Grimme-Institut: Ort der Medienkritik
Das Grimme-Institut zählt zum kleinen Kreis renommierter Forschungs- und Dienstleistungseinrichtungen in Europa, die sich mit Fragen der Medienkultur befassen. Das Institut verleiht u.a. den Grimme-Preis für Qualitätsfernsehen, der im April zum 50. Mal im Theater Marl feierlich vergeben wurde.
Klares Bekenntnis zum Standort
Die Stadt Marl freute sich über das klare Bekenntnis zum Standort. Die Veranstaltungen zum 50. Jubiläum des Grimme-Preises hätten eindrucksvoll gezeigt, dass „der Grimme-Preis und das Grimme-Institut zwei bedeutende kulturelle Leuchttürme unserer Stadt und hier fest verwurzelt sind“. Die Stadt Marl zeigte sich überzeugt, dass die Stadt Marl den Grimme-Preis und das Grimme-Institut „auch in Zukunft im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen werde“.
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27. März 2013

Grimme-Institut gibt Preisträger bekannt

Grimme-Preis
Die Gewinner des 49. Grimme-Preises stehen fest.

Die Gewinner des 49. Grimme-Preises 2013 stehen fest: Wie das Grimme-Institut heute (27.3.) mitteilte, werden neben dem ARD-Zweiteiler „Der Turm“ unter anderem auch der ZDF-Film „Der Fall Jakob von Metzler“ und die Serie „Add a friend“ ausgezeichnet. Die Preisgala findet am 12. April im Theater Marl statt.

„Packende Fernsehfilme auf höchstem professionellen Niveau, bewegende und formal ausgefeilte Dokumentationen sowie pointierte Unterhaltung kennzeichnen den aktuellen Grimme-Preis-Jahrgang“, so Grimme-Direktor Uwe Kammann in seiner Bilanz bei der heutigen Pressekonferenz in Düsseldorf. Auffällig seien auch die „starken zeitgeschichtlichen Bezüge“, die sogar „bis in die Unterhaltung reichen.“ Wie in den Vorjahren beeindrucke das deutsche Fernsehen durch herausragende Qualitäten an der Spitze. Insgesamt werden in den drei Wettbewerbskategorien Fiktion, Information & Kultur sowie Unterhaltung zwölf Preise vergeben.

„Der Turm“ und „Add a friend“

Thomas Kirchner (Buch), Christian Schwochow (Regie), Lars Lange (Ausstattung) sowie die Darsteller Jan Josef Liefers, Claudia Michelsen und Sebastian Urzendowsky erhalten einen Grimme-Preis für „Der Turm“ (MDR/Degeto/BR/NDR/WDR/SWR/rbb). Der Zweiteiler gibt Einblick in den Alltag der Bildungselite Dresdens in den 80er Jahren, kurz vor dem Ende der DDR. Ein Grimme-Preis „Spezial“ geht an Anke Greifeneder, Quirin Berg, Tobi Baumann, Sebastian Wehlings und Christian Lyra für die Idee und Konzeption des Formats „Add a friend“ (TNT Serie).

„Der Fall Jakob von Metzler“

Weitere Auszeichnungen gehen an Autor Jochen Bitzer, Regisseur Stephan Wagner und Darsteller Robert Atzorn für ihren Film „Der Fall Jakob von Metzler“ (ZDF), der den Entführungsfall des Frankfurter Bankierssohnes rekonstruiert.

„Markante Erzählweisen“

Für Grimme-Direktor Uwe Kammann zeichnen sich alle Preis-Produktionen durch „markante Erzählweisen mit jeweils sehr individueller Handschrift“ aus. Daneben überzeugten sie durch exzellente Darsteller, sehr überzeugende Vergegenwärtigungen von Milieus, Zeitumständen und gesellschaftlichen Konfliktlinien. „Und dies alles mit hoher formaler Gestaltungskraft.“

Marler Gruppe

Der Publikumspreis der Marler Gruppe geht an Beate Langmaack (Buch), Rainer Kaufmann (Regie) sowie Devid Striesow und Stipe Erceg (beide Darstellung) für den Fernsehfilm „Blaubeerblau“ (BR/MDR/Degeto), der zeigt, wie Menschen sich mit dem Leben in einem Hospiz auseinandersetzen. Jan Schomburg erhält das Eberhard-Fechner-Förderstipendium der VG Bild-Kunst für den Fernsehfilm „Über uns das All“ (WDR). Der Film begleitet eine junge Frau nach dem unerwarteten Selbstmord ihres Mannes auf ihrem Weg zurück ins Leben.

Preisgala im Theater Marl

Die 49. Verleihung des Grimme-Preises findet am 12. April 2013 im Theater der Stadt Marl statt. Sie wird in voller Länge per Livestream auf www.3sat.de und www.spiegel.de zu sehen sein. Die Preisgala wird zeitversetzt um 22.25 Uhr auf 3sat ausgestrahlt. Moderiert wird die Verleihung von Michael Steinbrecher. Insgesamt werden in den drei Wettbewerbskategorien Fiktion, Information & Kultur sowie Unterhaltung zwölf Preise vergeben.

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29. Januar 2013

Nominierungen zum 49. Grimme-Preis 2013 bekanntgegeben

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„Ansehnliches und Diskussionswürdiges“

Das Grimme-Institut hat heute in Düsseldorf die Nominierungen zum 49. Grimme-Preis 2013 bekanntgegeben. Von insgesamt 807 Einreichungen und Vorschlägen können sich 57 Produktionen Hoffnung auf eine Auszeichnung bei der Preisgala am 12. April in Marl machen.

„Wie gewohnt gibt es eine Reihe von Spitzenproduktionen bei der Fiktion, in der Information durchaus eine Reihe von Sendungen mit Klasse bei ziemlich viel Masse, und in der Unterhaltung einiges, was gegen den Strich gebürstet ist“, so der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann. „Das Fernsehjahr 2012 bot eine ganze Menge Ansehnliches und Diskussionswürdiges.“

Im Wettbewerbskontingent „Information und Kultur“ sind 23 Produktionen im Rennen um einen Grimme-Preis. Unter anderem wurden „Hoffenheim – Das Leben ist kein Heimspiel“ (ZDF), „Arbeit Heimat Opel“ (WDR), „Kolumbiens Trauma“ (ZDF/ARTE) sowie „Propaganda, Hass, Mord – Die Geschichte des rechten Terrors in Europa“ (MDR/ARTE) für eine Auszeichnung nominiert. Auch Jakob Augstein und Nikolaus Blome gehören für ihr gleichnamiges Format bei Phoenix dazu. Hoffnungen auf eine Spezial-Auszeichnung als bester Dokumentarfilmer des Fernsehjahres 2012 kann sich Eric Friedler machen, der mit „Der Sturz – Honeckers Ende“, „Charly Graf – Ein deutscher Boxer“ und „Nichts als die Wahrheit – 30 Jahre Die Toten Hosen“ (alle NDR) drei viel beachtete Dokumentationen gestaltet hat.

„Erfreulich, dass Information und Kultur bei den Einreichungen und Vorschlägen ein Rekordjahr verzeichneten, und ebenso erfreulich ist das breite Spektrum an Themen und Bearbeitungsformen“, erklärte Grimme-Direktor Uwe Kammann in Düsseldorf zu dieser Kategorie.

22 Produktionen wurden von der Grimme-Kommission im Kontingent „Fiktion“ für einen Preis nominiert. Darunter finden sich neben anderen „Zappelphilipp“ (BR), „Tatort – Die Ballade von Cenk und Valerie“ (NDR), „Polizeiruf 110 – Schuld“ (BR) sowie „Das Ende einer Nacht“ (ZDF). Als Serien- und Mehrteiler sind unter anderem „Aufschneider“ (ARTE/ORF) und „Deckname Luna (ZDF) nominiert. Anke Greifeneder (TNT) und Quirin Berg (Wiedemann & Berg) können sich mit „Add A Friend“ (glitz) neben den Machern von „Hänsel und Gretel“ (rbb/SR) Hoffnungen auf einen Grimme-Preis machen.

Uwe Kammann: „Zu bedauern ist in der Fiktion ein Schwächeln der Serien, während viele Einzelstücke wieder glänzen. Eine Überraschung: das frische Konzept bei der ersten eigenproduzierten Serie im Bezahlfernsehen, ‚Add A Friend‘ bei TNT“.

Chancen auf einen Grimme-Preis in der Kategorie „Unterhaltung“ haben insgesamt 12 Formate, darunter „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ (RTL), „Die Wiwaldi Show“ (WDR), „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“ (ProSieben) sowie „Ausflug mit Kuttner“ (SWR/EinsPlus). Die WDR-Serie „Mord mit Aussicht“ kann neben anderen einen Grimme-Preis für Serien und Mehrteiler gewinnen. Günther Jauch wurde für seine herausragende Leistung in der „Wer wird Millionär?“-Ausgabe (RTL) vom 24. September 2012 nominiert, in der er im Zusammenspiel mit einem Kandidaten vom üblichen Ablauf komplett abweicht.

„In der Unterhaltung wurde das mögliche Kontingent für die Endjury nicht ganz ausgeschöpft, schlicht, weil es an ausreichend Neuem, Besonderem und Weiterentwickeltem fehlte“, so Grimme-Direktor Uwe Kammann. „Aber die Jury wird sich über Überraschungen in ihrem Korb freuen dürfen.“

Das Grimme-Institut gibt am 27. März 2013 bekannt, welche Produktionen mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet werden. Die 49. Grimme-Preisverleihung findet am 12. April 2013 im Theater der Stadt Marl statt.

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21. Januar 2013

Das Grimme-Institut stellt bei den 20. Marler Tagen der Medienkultur die Auslandsberichterstattung auf den Prüfstand.

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Das Logo des Grimme-Instituts
Das Grimme-Institut stellt bei den 20. Marler Tagen der Medienkultur die Auslandsberichterstattung auf den Prüfstand.

Die Auslandsberichterstattung in den Medien steht auf dem Prüfstand bei den 20. Marler Tage der Medienkultur am 24. und 25. Januar im Grimme-Institut.

In intensiven Werkstattgesprächen soll geklärt werden, was Auslandsberichterstattung heute leistet. Wie ist das Selbst- und Rollenverständnis der Macher und der Verantwortlichen? Welche Zielsetzungen werden verfolgt, und welche neuen Perspektiven eröffnet das Universalmedium Internet?

Zu den Marler Tagen der Medienkultur hat das Grimme-Institut hochkarätige Akteure und Experten eingeladen, darunter den vielen Fernsehzuschauern sicherlich bekannten Asien-Korrespondent des ZDF, Johannes Hano, den Chefredakteur Fernsehen des BR, Siegmund Gottlieb, und das Korrespondenten- Urgestein Gerd Ruge.

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15. Januar 2013

Grimme Online Award startet in neue Runde

Grimme-Institut
Grimme Online Award startet in neue Runde

Ab sofort können Internetnutzer und Anbieter Websites und Apps für den Grimme Online Award 2013 vorschlagen.

Mit dem Preis werden vom Grimme-Institut qualitativ hochwertige publizistische Netz-
Angebote ausgezeichnet. Insgesamt können in vier Kategorien maximal acht Preise vergeben werden. Das teilte das Marler Grimme-Institut heute (15.1.) in einer Pressemitteilung mit. „Gegen die Einschätzung vom immer unübersichtlicher werdenden Netz setzt der Grimme Online Award erfolgreich die Einsicht: Doch, es gibt dort publizistische Qualität, und zwar nicht zu knapp, oft in überraschenden Ausprägungen“ so der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann. Voraussetzungen seien äußerste Neugier und Offenheit, um den Neuentwicklungen auf der Spur zu sein. „Damit sorgt der Online-Preis unter dem Grimme-Siegel auch in seinem 13. Jahr für solide Orientierung in der Netzwelt.“

Online-Formular

Über ein Online-Formular unter www.grimme-online-award.de können Websites und Apps bis zum 15. März 2013 für eine Auszeichnung vorgeschlagen werden. Unter allen Nutzern, die ihren Favoriten für den Grimme Online Award 2013 einreichen, verlost das Grimme-Institut neben drei Jahresabos der Zeitschrift TV SPIELFILM auch ein Samsung Galaxy S III mini.

Weitere Informationen über die Zusammensetzung der Nominierungskommission und Jury, die Bewertungskriterien und das Auswahlverfahren gibt es auf der o.g. Internetseite des Grimme-Online-Awards.

23. September 2012

Grimme-Institut Marl führt Tag der Medienkompetenz 2012 im Düsseldorfer Landtag durch

Egal ob Schüler, Bürger oder Verbraucher: Medienkompetenz ist in der heutigen Medien- und Konsumwelt für alle wichtig. Daher laden der Landtag und die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen am Montag, den 26. November 2012, zu einem offenen „Tag der Medienkompetenz 2012“ ein.

An diesem Tag können medieninteressierte Bürgerinnen und Bürger das Medienkompetenzland Nordrhein-Westfalen hautnah erleben. Zahlreiche Medienbildungseinrichtungen präsentieren sich mit ihren Angeboten und bieten Informations-, Spiel- und Interaktionsmöglichkeiten. Drei Workshops zu den Themen „vertrauen“ (Datenschutz), „teilhaben“ (E-Partizipation) und „lernen“ (E-Learning) eröffnen Möglichkeiten mit Experten in Kontakt zu treten.

Ein vielfältiges Bühnenprogramm mit Mitmachaktionen, ein Medienkompetenz-Kino mit Kurzfilmen und Diskussionen mit Abgeordneten aller Parteien runden das kostenfreie Angebot im Düsseldorfer Landtag ab. TV-Moderator Ralph Caspers führt durch eine abschließende Diskussionsrunde mit den Abgeordneten des Landtags.

Der Aktionstag bildet den Abschluss eines mehrwöchigen Projekts, in dem Landtagsabgeordnete des Kultur- und Medienausschusses NRW im eigenen Wahlkreis Einrichtungen besucht haben, die im Bereich der Medienkompetenzförderung besonders aktiv sind.

Der „Tag der Medienkompetenz 2012“ ist eine Veranstaltung des Landtags und der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen. Mit der Durchführung wurde das Grimme-Institut von der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen beauftragt.

Eine schriftliche Anmeldung zur Teilnahme bis zum 19.11.12 ist erforderlich.

Die Online-Anmeldung und ein ausführliches Tagesprogramm mit weiteren Hintergrundinformationen finden sich im Internet unter: www.tagdermedienkompetenz.de.

2. Februar 2012

„Fanatiker des Live“

Im Grimme-Institut wurde am 31. Januar 2012 der Bert-Donnepp-Preis – Deutscher Preis für Medienpublizistik verliehen.
Im Grimme-Institut wurde am 31. Januar 2012 der Bert-Donnepp-Preis – Deutscher Preis für Medienpublizistik verliehen.

Die Medienredaktion des Deutschlandfunks wurde  mit dem Deutschen Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet. Eine besondere Ehrung erhielt Publizist Jakob Augstein. Die Verleihung fand im Rahmen des Bergfestes im Grimme-Institut statt.

„Wo andere an der Oberfläche kratzen, zielen sie auf den tieferen Erkenntnisgewinn. Anstatt die gängige Medien-PR-Sprache zu duplizieren, suchen sie die eigentliche Nachricht hinter der Selbstdarstellung“, lobt die Jury in ihrer Begründung. Auch die Tatsache, dass das Programm nach 18 Jahren immer noch von großer Offenheit und Neugier allen Themen gegenüber geprägt sei, spreche für die Qualität der Redaktion.

„Oase des Wortes in einer Wüste der Worthülsen“

Andreas Stopp, Brigitte Baetz, Bettina Köster und Bettina Schmieding seien zusammen mit ihren Kollegen eine „Oase des Wortes in einer Wüste der Worthülsen“, so Laudator Manfred Erdenberger, der selbst lange Jahre als Hörfunkjournalist beim WDR gearbeitet hat. Überhaupt: „Das Gesamtprogramm des Senders ist eine sprudelnde Quelle der Kompetenz, dessen Stimme selbst bei kritischen Geistern bundesweit hörbar ist.“

Andreas Stopp, der stellvertretend für die Medienredaktion sprach, freute sich besonders über die Auszeichnung, weil Medienjournalisten eher selten geehrt würden. „Ein bisschen ist es bei einer Mediensendung wie bei David gegen Goliath“, so Stopp. Die Sendung „Markt und Medien“ habe neben einen gewollten „Chronisteneffekt“ die Aufgabe, die richtigen Fragen zu stellen und auf Antworten zu bestehen. Er und seine Kolleginnen Baetz, Köster und Schmieding teilten besonders eine Eigenschaft: „Wir sind alle Fanatiker des Live. Wir würden nie einen Beitrag vorab aufzeichnen.“

Besondere Ehrung für Jakob Augstein

Der Verleger und Journalist Jakob Augstein („der Freitag“) erhielt eine Besondere Ehrung der Jury. Er habe Pioniergeist bewiesen „und wurde in der publizistischen Landschaft Deutschlands zu einem Medien-Architekt, indem er ein neues Blatt entwarf, ein ‚Meinungsmedium‘, das Printausgabe und Online-Aktivität, Medienmacher und Mediennutzer auf intensive Weise fordernder als woanders üblich miteinander verbindet und in Dialog bringt.“ Darüber hinaus könne sich Augstein in jedem Medium sicher bewegen. „Er ist ein Mann mit Eigenschaften, der etwas zu sagen hat und mit Charakter vertritt.“

In seiner Laudatio beschrieb der Chef des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Patrick Bahners, Augsteins Engagement: „Eine Insel des Irrsinns wird umspült von einem Meer der Vernunft. Alles, was nicht Feuilleton ist in der Zeitung, wird heute umstrukturiert nach den Maßgaben einer Mikromarktforschung, die die Reaktionen von Lesern auf Textlängen, Überschriften, Bildgrößen und Satzfetzen misst. Und auch im Feuilleton wird die Landmasse des Irrsinns längst Quadratzentimeter für Quadratzentimeter zurückgedrängt.“ Jakob Augstein habe das Irrationale an dieser Rationalisierung immer wieder benannt. Sein Engagement stehe für eine besonders ehrenwerte, höchst seltene Spielart der Medienpublizistik, die realistisch und passioniert zugleich ist.

Herausforderungen des Journalismus

Augstein selbst, der per Videokonferenz zugeschaltet war, sprach in seiner Replik von den Herausforderungen, die der Journalismus heute vor sich habe: „Die Branche ist nicht zimperlich. Das ist vielleicht die Kehrseite des Netzes und damit auch der Freiheit.“ Der Verleger erinnerte auch an den aktuellen Streit um die Tagesschau-App. „Die Freiheit ist von den Medien bedroht und nicht von der Politik. Eine App wie die der Tagesschau erfüllt doch den Grundversorgungsauftrag im besten Sinne.“ Augstein forderte im Hinblick auf den Streit zwischen Springer-Verlag und den Öffentlich-Rechtlichen, dass es ein duales System im Netz geben müssen. „Alle mit allen“, lautet sein Motto.In einer anschließenden Debatte zum Thema „Nichts als eine Leerstelle? Euro-Themen und die europäische Öffentlichkeit“ diskutierten Manfred Erdenberger, Patrick Bahners und Andreas Stopp zusammen mit Grimme-Direktor Uwe Kamman über die Wahrnehmung und Rolle von Europa in den Medien. Patrick Bahners mahnte, dass sich alle einmal Gedanken zu Europa machen müssten: „Wir können nicht immer nur die Intellektuellen anrufen, um die Weltlage zu erklären. Das ist der Diskussionsstand von post-1989.“ Andreas Stopp glaubt, dass es kaum wechselweises Interesse am Kennenlernen der Lebensumstände gäbe. Überhaupt: „Die große Idee Europa ist nicht umgesetzt worden.“ Er sei auch ein wenig skeptisch, ob die Medien genug tun, um Europa verständlicher zu machen. Manfred Erdenberger wies darauf hin, dass Europa viel mehr sei als der Euro: „Wir sind eine Wertegemeinschaft und haben eine Friedenstradition. Wir dürfen uns nicht immer nur auf die gemeinsame Währung konzentrieren.“

Der Bert-Donnepp-Preis wird seit 1991 vom Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises e.V. traditionell im Rahmen des Bergfestes zur Halbzeit der Jurywoche im Grimme-Institut verliehen.

Die Begründungen der Jury sowie die Laudatio von Manfred Erdenberger lesen Sie im Internet unter www.grimme-institut.de.

 

 

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