Archive for Dezember 8th, 2015

8. Dezember 2015

* Erfolg von Attac: Finanztransaktionssteuer kommt nach anderthalb Jahrzehnten Kampf

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* Aber europäischen Ländern fehlt der Wille, die Finanzmärkte streng zu
regulieren

17 Jahre nach der Gründung von Attac in Frankreich wird die
Gründungsforderung des globalisierungskritischen Netzwerkes – eine
Finanztransaktionssteuer zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger* – von
zehn europäischen Staaten umgesetzt, wenn auch stark verwässert.

„Es ist sehr erfreulich, dass der lange Kampf von Attac – seit sechs
Jahren zusammen mit der Kampagne Steuer gegen Armut – für diese
Forderung trotz des Beschusses der Finanzindustrie zu einem Kompromiss
von immerhin zehn Ländern geführt hat: Es wird eine
Finanztransaktionsteuer in zehn EU-Ländern geben“, sagte Detlev von
Larcher von der bundesweiten Attac-Arbeitsgruppe Finanzmärkte und
Steuern. „Allerdings wird diese verwässerte Steuer nur geringe
Auswirkungen auf die Zockerei auf den Finanzmärkten haben, weil sie zu
viele Ausnahmen beinhaltet.“

Viele Einzelheiten sollen erst im weiteren Verfahren geklärt werden,
unter anderem auch die Höhe des Steuersatzes. Auch die Verwendung der
Einnahmen aus der Steuer ist unklar.

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8. Dezember 2015

Steuer gegen Armut: Finanztransaktionssteuer* Weitere Verwässerungen verhindern

Aktion vor der Londoner Börse

„Wir begrüßen die Grundsatzeinigung zur Finanztransaktionssteuer (FTS),
die zehn EU-Mitgliedsländer in Brüssel erzielt haben“, erklärt der
Sprecher der Kampagne Steuer gegen Armut, Detlev von Larcher. „Die
vereinbarten Eckpunkte entsprechen zwar nicht unserer Idealvorstellung,
sind aber ein akzeptabler Kompromiss.“ Die Tatsache, dass Estland sich
vorläufig nicht mehr an dem Projekt beteiligt, sei zu verschmerzen.

„Wir hätten uns gewünscht, dass es keine Ausnahmeregelungen gibt, aber
sieben Jahre nach der Finanzkrise sind der Einfluss der Finanzlobby und
die Willfährigkeit vieler Regierungen gegenüber deren Forderungen
wieder so groß, dass die Reformblockaden sehr stark sind,“ stellte
Detlev von Larcher fest. Jetzt komme es darauf an, bei den noch offenen
Fragen – wie der Höhe des Steuersatzes und dem Umgang mit Pensionsfonds
weitere Versuche zur Verwässerung zu verhindern.

Als positiv bewertet die Kampagne, dass der Versuch, Derivate generell
von der Steuer auszunehmen, sich nicht durchgesetzt hat und jetzt nur
noch Papiere, die in direktem Bezug zur Staatsfinanzierung stehen,
besonders berücksichtigt werden sollen.

Ebenfalls positiv sei, dass sowohl Käufer wie Verkäufer zur Kasse
gebeten werden. Auch dass jede einzelne Transaktion und nicht nur der
Nettobetrag bei Geschäftsschluss besteuert wird, sei zu begrüßen.

Schwächen der Vereinbarung sind nach Auffassung der Kampagne, dass:

– Devisentransaktionen generell nicht erfasst werden,
– Ausnahmen für Market Making vorgesehen sind und damit Missbrauch Tür
und Tor geöffnet sind, wenn es nicht zu einer sehr engen Definition von
Market Making kommt,
– der Handel mit Staatsanleihen von der FTS ausgenommen werden soll.
„Außerdem wollen wir ein klares Signal, dass ein Teil der Einnahmen für
die Finanzierung von Umweltschutz, Entwicklung und sozialen Aufgaben wie
der Bkämpfung der Jugendarbeitslosigkeit verwendet wird“, fordert
Tobias Hauschild, Vertreter von Oxfam in der Kampagne. Die
Klimaverhandlungen in Paris seien die beste Gelegenheit, sich einem
entsprechenden Vorschlag Frankreichs anzuschließen.
Die Kampagne Steuer gegen Armut wird von 99 Organisationen getragen,
darunter der DGB, Brot für die Welt, Attac und Misereor.

8. Dezember 2015

„Die Verwandlung“, Kafkas Meisterwerk am 9.12. im Theater Marl

In der Wohnung der Familie Samsa scheint ein unglaubliches Verbrechen geschehen zu sein.

Die Bedienerin der Familie wurde verhaftet, als sie dabei ertappt wurde, wie sie einen monströsen Käferkadaver entsorgte. Laut ihrer Aussage handelte es sich dabei um den Sohn des Hauses, Gregor Samsa. Die DNA-Analyse bestätigt ihre wahnwitzige Behauptung. Die kühle Kommissarin Daner und ihr dienstbeflissener Kriminalassistent Mölder versuchen die Ereignisse zu rekonstruieren und Licht in diesen mysteriösen Vorfall zu bringen.
„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt“ – so beginnt eine der berühmtesten und rätselhaftesten Erzählungen der Literaturgeschichte: „Die Verwandlung“ von Franz Kafka. Veröffentlicht wurde sie vor genau hundert Jahren. Seitdem versucht sich die Literaturwissenschaft unentwegt an psychologischen, soziologischen, religiösen oder allegorischen Interpretationen, die zu einer höheren Wahrheit führen sollen.
Romy Schmidt und Frank Weiß erzählen die „Verwandlung“ als Krimi zwischen „Akte X“ und film noir neu, nehmen die Geschichte ihrer Interpretationen in den Blick und lassen den Zuschauer seine Wahrheit selbst kombinieren.
Bühnenfassung von Romy Schmidt und Frank Weiß. Prinzregenttheater Bochum

Hinweis: Das Theater Marl bietet 30 Minuten vor der Vorstellung eine Einführungsveranstaltung im Ersten-Rang-Foyer an!