Fahrradfreundliche Stadt Marl?

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Aus Personalmangel hatte die Stadt den Verlängerungsantrag für den Titel „Fahrradfreundliche Stadt“ nicht gestellt. Jetzt kündigte die derzeitige Chefin der Verwaltung an, das Marl doch einen Antrag stellt um den Titel zu behalten. Ein Antrag ist nach Ablauf der Antragsfrist noch möglich? Ob der Titel noch gerechfertigt ist weckt bei vielen Marler Radfahrer Zweifel. Die Radwege sind oft in einem erschreckenden Zustand.
Auf der Seite der AGFS stellt sich Marl bisher noch so vor:
Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen
Fahrradfreundliche Stadt Marl

Marl, im nördlichen Ruhrgebiet an der Schwelle zum Münsterland gelegen, ist eine junge Stadt mit ca. 87.000 Einwohnern. Begünstigt durch den Bergbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die Ansiedlung der Chemischen Industrie (heute als Chemiepark Marl bekannt) in den 30er Jahren entwickelte sich Marl schnell vom idyllischen Bauerndorf zur Industriestadt und erlebte ein rasantes Wachstum. In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann der Ausbau zur autogerechten Stadt – allerdings ohne den Fahrradverkehr zu vergessen. Schon damals wurden zahlreiche Radwege angelegt. In dieser Zeit entstand auch die neue Stadtmitte mit Rathaus, Einkaufszentrum „Marler Stern“, City-See und Grünzügen. In den vergangenen 20 Jahren hat Marl eine Trendwende vom autogerechten zum umweltgerechten Verkehr vollzogen und dabei vor allem die Bedingungen für den Fahrradverkehr deutlich verbessert. Ziel dabei war, die Verkehre stadtverträglich zu gestalten und abzuwickeln, wobei in den jüngsten Jahren immer mehr der Aspekt der Verkehrssicherheit in den Vordergrund tritt. Der Fahrradverkehrsanteil im Marler „modal-split“ beträgt knapp 25 %, das heißt, dass die Marler Bevölkerung ein Viertel aller Wege mit dem Fahrrad zurücklegt. Bundesweit liegt dieser Anteil im Durchschnitt bei 11 %, wobei es die Holländer und Dänen auf knapp 30 % Fahrradverkehrsanteil bringen.

Der Schwerpunkt der Marler Fahrrad-Aktivitäten liegt in der Öffentlichkeitsarbeit, im Marketing und in der Kommunikation. Dies war letztendlich auch eine konsequente Folge aus der bitteren Armut Marls mit leeren öffentlichen Kassen und horrenden Schulden während der letzten 20 Jahre.
Planungsgeschichte und Zielvorstellungen

Auf der Grundlage eines Radwegekonzeptes aus dem Jahre 1989 beschloss der Rat der Stadt Marl 1991 das ehrgeizige Programm „100 Sofortmaßnahmen für den Radverkehr“. Beinahe sämtliche damals erkannten Mängel konnten inzwischen behoben werden: Nach und nach wurden Bordsteine abgesenkt, Beschilderungen verbessert, Ampelphasen verändert, Netzergänzungen vorgenommen, Fahrradabstellanlagen eingerichtet und Markierungen aufgebracht.

Eine Besonderheit in Marl ist die „extensive“ Benutzung der Radwege auch in Gegenrichtung, besser bekannt als „Marler Landrecht“. Obwohl ursprünglich (und auch immer noch) verboten, befuhren die Marlerinnen und Marler traditionell ihre Radwege in beiden Richtungen. Da die vielen Radfahrerinnen und Radfahrer meist pulkartig nach Schichtwechsel oder Schulschluss unterwegs sind, wurden Ahndungsversuche seitens der Polizei schließlich aufgegeben. Die Verwaltung hat mittlerweile das Radfahren in Gegenrichtung überall dort legalisiert, wo es aufgrund der baulichen Gegebenheiten möglich war.
Örtliche Handlungsschwerpunkte
Die Förderung des Radverkehrs in Marl beschränkt sich nicht nur auf bauliche Verbesserungen der Infrastruktur, Beschilderungen und Markierungen. Zentraler Handlungsschwerpunkt war von Anfang an eine engagierte, kreative und vielfach unkonventionelle Öffentlichkeitsarbeit:

Die Marler Fahrradtage
Das Fahrradbüro der Stadt Marl
Das Marler Damenrad
Der Drahtesel
Mit dem Fahrrad durchs Museum – die Marler Skulpt(o)uren
Fahrradwachen an Schulen
Tempo 30 – auch bei uns
Der Marler Ampelgriff
Fahrrad-Graffitis
Umrüstung von Umlaufschranken
Marler Fahrradabstellsatzung

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