Oswald Marschall im Marler Rathaus bei der Gedenkfeier für die Opfer des Faschismus

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Die Gedenkfeier stand in diesem Jahr unter dem Motto „Ich habe geschwiegen …“. Das Motto ist ein Zitat aus einem Gedicht von Pfarrer Martin Niemöller, der die nationalsozialistische Gewaltherrschaft als Gefangener im Konzentrationslager Sachsenhausen überlebte.
Als Hauptredner berichtete Oswald Marschall über die Verbrechen der NAZIS an Sinti und Roma. Er ist der stellvertretende Vorsitzende des Dokumentationszentrums Deutscher Sinti und Roma
Im Gespräch mit Jennifer Radscheid berichtete er ausführlich über sein Projekt der Integration durch den Boxsport in Minden. Die Besucherinnen und Besucher waren durch seine spannende Schilderungen begeistert. Er erinnerte daran das er Westfalenmeister in Marl wurde und von den damaligen Bürgermeister Ernst Immel in Marl Hüls ausgezeichnet wurde.
Er war in den 70ern Boxer der deutschen Nationalmannschaft. Später eröffnete er eine Boxschule in seiner Heimatstadt Minden.
Nach seiner erfolgreichen Laufbahn wurde Marschall Vorsitzender und Trainer des Boxclubs Minden, drei Kämpfer sind unter seiner Leitung Deutscher Meister geworden.

Eine halbe Million Sinti und Roma sind von den Nazis ermordet worden. Doch erst 1982 wurde der Terror an den Sinti und Roma durch Bundeskanzler Helmut Schmidt als Völkermord anerkannt. Viele Überlebende trafen nach dem Krieg in Amtsstuben und Arztpraxen auf Stützen des einstigen Regimes. Der Bundesgerichtshof rechtfertigte noch 1956 ihre Verfolgung durch die Nazis als vorbeugende Kriminalitätsbekämpfung. Behörden verweigerten jungen Sinti und Roma die Schulpflicht. Jahrelange Auseinandersetzungen des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit den Innenministern der Länder und mit dem Bundesinnenministerium machten die zum Teil aus dem „Dritten Reich“ übernommenen Methoden der rassistischen Sondererfassung bei Justiz- und Polizeibehörden (nach 1945 oft mit dem ehemaligen SS-Personal) bekannt. Das führte meistens zu einer Beendigung dieser Praxis. Rassistische behördeninterne Publikationen wurden aus dem Verkehr gezogen. Der Zentralrat verlangt seit 1993 ein Diskriminierungsverbot in den Landesmediengesetzen und im Beamtenrecht zur Verhinderung der meistens von Behörden veranlassten vorurteilsschürenden Kennzeichnung von Beschuldigten als „Sinti und Roma“ oder „Zigeuner“ in der Berichterstattung.
Für die deutschen Sinti und Roma setzte der Zentralrat im Mai 1995 die gesetzliche Anerkennung als nationale Minderheit durch, und ebenso für das deutsche Romanes die Anerkennung als Minderheitensprache gemäß der „Charta“ des Europarates.
Oswald Marschall ist Sinto, Mitglied einer vernachlässigten Minderheit. Sinti und Roma stehen für einen Oberbegriff von ethnisch verwandten Volksgruppen. Seit der Osterweiterung der Europäischen Union gelten sie als größte Minderheit des Kontinents, mit rund zehn Millionen Menschen. Die Sinti sind ihre größte Untergruppe in West- und Mitteleuropa, sie leben hier seit über 600 Jahren. Über keine andere Volksgruppe wissen die Mehrheitsgesellschaften so wenig und glauben so viel Negatives zu kennen.

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