„Außer Kontrolle“ ARD-Reporter Hubert Seipel spricht beim Bergfest des Grimme-Preises in Marl über die Dimension seines Snowden-Interviews

Im Rahmen der Bert-Donnepp-Preisverleihung äußerte sich ARD-Reporter Hubert Seipel zu seinem kürzlich ausgestrahlten Fernsehinterview mit dem ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden. „Durch ihn wissen wir: Wir Nutzer werden täglich angegriffen. Es ist außer Kontrolle geraten.“ Nur wenn alle das Thema öffentlich hielten, werde sich eine Lösung finden. Edward Snowden wurde im Rahmen des Bergfestes zum 50. Grimme-Preis 2014 als „Aufklärer des Jahres“ geehrt. Er habe sich, so die Jury, „um die Demokratie verdient gemacht“.
Am Abend des 4.2 verlieh der Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises den mit 5.000 Euro dotierten Bert-Donnepp-Preis – Deutscher Preis für Medienpublizistik. In diesem Jahr wurden Thomas Lückerath, Gründer von dwdl.de, und der Journalist und Blogger Peer Schader ausgezeichnet. Schrifstellerin und Autorin Barbara Sichtermann wurde die Besondere Ehrung zugesprochen.
Snowdens Verdienst
Hubert Seipel machte im Gespräch mit Grimme-Direktor Uwe Kammann klar, dass das Internet gewandelt habe: „Es ist eine Technik, die nicht mehr kontrolliert wird. Es ist ein perfektes Kontrollinstrument für Regierungen und Geheimdienstgemeinden“, so der Filmemacher. Vorbei sei der Gedanke des schönen Internets: „Man hat ja immer gedacht, das Netz ist so schön wie die Apple-Produkte. Aber nichts da: Es ist weder schön, noch wunderbar, noch kalifornisch.“ Snowdens Verdienst sei es, dass er uns die Dimension klar gemacht hat, inwieweit wir alle angegriffen werden.
Uwe Kammann, Direktor des Grimme-Institutes, begrüßte mehr als 250 Gäste – unter ihnen zahlreiche Nominierte für den diesjährigen Grimme-Preis: „Hier gehört das Nah-Sehen zum System. In der Runde der letzten 66 dabei zu sein, ist eine ganze Menge.“ Preisträger Thomas Lückerath wurde bei seiner Ehrung von Kai Blasberg, Geschäftsführer von Tele 5, überrascht. Der Senderchef lobte Lückeraths journalistisches Können: „Er hält mit gar nichts hinterm Berg, er stellt Nähe her und ist trotzdem ein fantastischer Journalist.“ Blasberg zeigte einen kurzen satirischen Einspieler über seinen Freund und Kollegen Lückerath, den „grenzgenialen Gründervater der DWDL“. Thomas Lückerath gab sich bescheiden: „Vor Ihnen steht eigentlich ein 19jähriger Schüler, der etwas ausprobiert hat, was ihn interessierte.“ Über seine Arbeit bei DWDL sagt er, dass man „am Ende meistens verblüfft ist, wie viel Zeit man mit etwas verbringen kann, das einem Spaß macht. So geht es mir mit DWDL.“
Für Peer Schader fand Medienjournalist Stefan Niggemeier besondere Worte in seiner Laudatio: „Peer schreibt unvoreingenommen über Fernsehen. Er ist unprätentiös und uneitel und nimmt das Medium Fernsehen ernst. Er fragt: Warum kann es nicht besser sein?“. In seiner Replik ist sich Schader sicher: „Der Preis ist ein weiterer Beleg dafür, das Medienkritik im Internet funktioniert. Ich glaube, dass es sich besonders für die Medienkritik lohnt, im Internet genauer hinzuschauen, was Fernsehen für Auswirkungen hat.“
Barbara Sichtermann, Schriftstellerin, Autorin und langjähriges Jurymitglied bei Grimme, erhielt die Besondere Ehrung. Ihr Jury-Kollege, Schriftsteller Torsten Körner, fand lobende Worte. „Sie ist eine skeptische Euphorikerin und eine euphorische Skeptikerin. Wir alle wären ärmer ohne ihre intellektuelle Freibeuterei“, so Körner. Sichtermann blickte in ihrer Dankesrede auf ihre Arbeit im Rahmen des Grimme-Preises zurück: „Gute Juryarbeit ist auch immer eine Stunde der wahren Emfindungen: Meinungen, Urteile und Analysen über Fernsehen haben ihre Wurzeln in unseren Gefühlen.“Im Anschluss an die Verleihung hatten die Gäste ausreichend Gelegenheit, über die diesjährigen Nominierungen zu sprechen. Genug Gesprächsstoff gab es in jedem Fall.
Quelle : Grimme-Institut

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