Aktives Erinnern für die Gegenwart und Zukunft im Marler Rathaus am 27.1.2014

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Für bewegende Momente sorgte die Tanzruppe AkzepTanz: Sie erinnerte mit einer ausdrucksstarken Choreographie an Bürgerinnen und Bürger aus Marl, die in den Konzentrationslagern starben, und griff mit darstellerischen Mitteln das Thema der Gedenkfeier auf: „Ich habe geschwiegen“.
„Inbegriff der Unmenschlichkeit“
Das Zitat aus der berühmten Äußerung des ehemaligen Pfarrers Martin Niemöller, der nur knapp die Vernichtungslager von Sachsenhausen und Dachau überlebte und sich später in der Friedensbewegung engagierte, bildete das Motto der offiziellen Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialsozialismus im Rathaus. Vor über 100 Bürgerinnen und Bürger erinnerte die Stadt in einer Ansprache daran, dass am 27. Januar 1945 die Insassen des Konzentrationslagers Auschwitz von der sowjetischen Armee befreit worden seien. „Der Name Auschwitz ist zum Inbegriff für den Holocaust geworden, Auschwitz steht für millionenfachen staatlichen Mord, für eine perfektionierte Vernichtungsmaschinerie, für die schrecklichen Folgen von Rassismus und Größenwahn, für eine wohl nie zuvor erlebte Unmenschlichkeit“.
Aktives Erinnern als Ermutigung zu Zivilcourage
Am Beispiel der „schonungslosen Auseinandersetzung“ von Martin Niemöller, der – statt sein erlittenes Leid zu gewichten – in seiner berühmten Äußerung selbstkritisch hinterfragt, warum er nicht von Beginn gegen den Nationalsozialisten aufbegehrt hatte, wurde verdeutlicht , wie wichtig es heute ist, aktive Erinnerungsarbeit zu leisten. „Aktives Erinnern hilft uns, frühzeitig zu erkennen, wo heute der Mensch in seinem Menschsein gefährdet ist und ermutigt uns, Schweigen zu überwinden und unsere Stimme zu erheben“.. „Unmenschlichkeit darf auch in unserer künftigen Gesellschaft, die unsere jüngere Generation gestalten muss, keinen Platz haben“. Deshalb sei es wichtig, dass gerade jüngere Menschen sich aktiv und kritisch mit der Vergangenheit auseinandersetzten.
Erinnerungsarbeit für die Gegenwart und Zukunft
Wie wichtig eine aktive Erinnerungsarbeit für die Gegenwart sein kann, verdeutlichte Gastredner Oswald Marschall. Er engagiert sich als stellvertretender Vorsitzender des Dokumentationszentrums deutscher Sinti und Roma für Toleranz und Verständigung und sprach über Diskriminierungen, denen Sinti und Roma auch heute noch ausgesetzt seien. Marschall wurde 1954 als Kind einer Sinti-Familie geboren. Einige seiner Angehörigen kamen in den Konzentrationslagern ums Leben.“
„Erinnern heute“
Beispiele für eine aktive Erinnerungsarbeit gaben Schülerinnen und Schüler eines Religionskurses der Günther-Eckerland-Realschule. Sie hatten die Gedenkstätte Hadamar besucht. In dem ehemaligen Landesheil – und Pflegeanstalt waren im Rahmen der NS-Euthanasie-Verbrechen über 15.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen getötet worden. Die Schüler hatten ihre Eindrücke aufgeschrieben und in einer Ausstellung dargestellt.
Was aktives Erinnern für junge Menschen bedeutet, trugen vier Schülerinnen und Schüler der Schülervertretung an der Willy-Brandt-Gesamtschule vor. Sie hatten sich in einer „offenen Schreibwerkstatt“ ihre Gedanken zum Thema der Gedenkfeier gemacht.
Breite Basis der Zusamenarbeit
Die Gedenkfeier wurde von der Stadt Marl gemeinsam mit der Christlich-Islamischen Arbeitsgemeinschaft, der Evangelischen Stadtkirchengemeinde und dem Dekanat Marl veranstaltet. Die Vorsitzende des Integrationsrates, Nazife Güner, unterstütze die Gedenkfeier mit einem Grußwort. Durch das Programm führte die städtische Integrationsbeauftragte Jennifer Radscheid. Vor Beginn der Gedenkfeier hatten die Pfarrer Ulrich Walter von der Evangelischen Stadtkirchengemeinde und Herbert Roth von der katholischen Pfarrgemeinde St. Pius gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst gestaltet.

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