* Nackter Protest: Attac fordert Gesamtkonzernsteuer* FKK für Konzerne – Bilanzen offenlegen!

Foto: Sascha Bachmann / www.echtfotografie.de
Anlässlich des am  Donnerstag beginnenden G20-Gipfels hat das
globalisierungskritische Netzwerk Attac gefordert, den
Steuertricksereien multinationaler Konzerne einen Riegel vorzuschieben
und eine Gesamtkonzernsteuer (Unitary Tax) einzuführen. Bei einer Aktion
vor dem Kanzleramt in Berlin verliehen Attac-Aktive der Forderung
Nachdruck, indem sie sich vollständig entkleideten und
"Gesamtkonzernsteuer jetzt! Bilanzen enthüllen! FKK für Konzerne!"
skandierten.

"Es ist Zeit, dass die Konzerne ihre Hüllen fallen lassen. Ob Amazon,
Starbucks, Volkswagen oder Ikea: Jährlich tricksen Konzerne Milliarden
Euro an der Steuer vorbei. Eine regelrechte Steuervermeidungsindustrie
unterstützt sie dabei. Die Politik antwortet bisher höchstens mit
Flickschusterei", sagte Jutta Sundermann vom bundesweiten
Attac-Koordinierungskreis. "Das muss aufhören. Wir brauchen endlich eine
Konzernbesteuerung, die ihren Namen verdient."

Allein in Deutschland gehen der öffentlichen Hand laut dem Deutschen
Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jährlich Steuern in
zweistelliger Milliardenhöhe durch Steuervermeidung verloren. Während
kleine und mittlere Unternehmen rund 30 Prozent Steuer auf ihre Gewinne
zahlen, kommt Volkswagen beispielsweise auf weniger als 15 Prozent. Noch
drastischer wirkt sich Steuervermeidung multinationaler Konzerne in den
Ländern des Südens aus: Ihnen gehen Einnahmen in Höhe des Mehrfachen der
weltweiten so genannten Entwicklungshilfe verloren.

Die von Attac geforderte Gesamtkonzernsteuer würde Konzerne zwingen,
sämtliche Aktivitäten aller Tochterunternehmen an jedem Ort der Welt
offenzulegen. "Eine Gesamtkonzernsteuer böte allen Staaten auf der Welt
endlich die Chance, die in ihrem Land erwirtschafteten Gewinne der
Unternehmen zu besteuern. Davon würden insbesondere auch die Länder des
Südens profitieren", sagte Jutta Sundermann.

Seit einigen Jahren wird ein Modell einer Unitary Tax auf europäischer
Ebene diskutiert: die so genannte Gemeinsame Konsolidierte
Körperschaftssteuer-Bemessungsgrundlage (GKKB). "Dieses Modell muss an
einigen Stellen korrigiert und dann zügig umgesetzt werden", forderte
Rainald Ötsch von der bundesweiten Attac-Arbeitsgruppe Finanzmärkte und
Steuern. "Vor allem muss die Steuer verbindlich sein für alle Konzerne
in der EU. Eine auf Freiwilligkeit beruhende Regelung, wie im letzten
Entwurf der EU-Kommission vorgesehen, wäre absurd". Auch müsse die
Berichterstattung der Konzerne wirklich alle Standorte abdecken, so dass
auch die ärmsten Länder die Daten nutzen können.

Attac kündigte weitere Aktionen zum Thema an.
 
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