Am 30. Juli ist der Internationale Tag der Freundschaft

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Poesiealben sind seit langer Zeit ein beliebtes Mittel, um Worte der Freundschaft schriftlich festzuhalten und damit für die Zukunft zu bewahren. „Und dies im wahrsten Sinne des Wortes“, wie Katharina Klapdor von der Volkskundlichen Kommission beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) anlässlich des Internationalen Tages der Freundschaft am 30. Juli erklärt. „Wer ein Poesiealbum besitzt und eine andere Person auffordert, sich dort zu verewigen, signalisiert, dass er sich für die Person interessiert und diese in Erinnerung behalten will.“

Im Archiv der LWL-Kommission bewahren die Volkskundler Poesiealben, die teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert stammen. War es zunächst nur in Adelskreisen üblich, Poesiealben zu pflegen, erreichte diese Sitte schnell auch bildungsbürgerliche Kreise. Wer ein Poesiealbum besaß, ließ aber nicht nur Freunde und Freundinnen etwas hineinschreiben, sondern auch Lehrer, Pfarrer, Eltern oder Personen, die man bewunderte. In dieser Zeit waren es vor allem Erwachsene, die diese Bücher pflegten. Der Sinnspruch war als Eintrag stets beliebt, die Einträge aus dieser Zeit haben häufig einen Bezug zum christlichen Glauben. So schrieb Johanne H. aus Bielefeld im Jahr 1897 für ihre Freundin Johanne K.: „Verzage nicht! Ergib dich Gottes Willen; Mag auch in Nacht sich deine Zukunft hüllen, der lebt ja noch, der spricht: ‚Es werde Licht!‘ Verzage nicht!“
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Neben diesen aufmunternden Botschaften finden sich in den Poesiealben aber auch mahnende Worte. Wilhelmine Q. aus Unna schrieb ihrer Cousine Clara Sch. im Jahr 1905: „Das Glück hat enge Grenzen, gar klein ist sein Gebiet. Verlange nicht nach Kränzen, wenn dir dein Stündlein blüht.“

Waren Poesiealben zu dieser Zeit Bücher, die lediglich auf den Einbänden reich verziert und sonst mit leeren Seiten bestückt waren, sind die Poesiealben heutzutage bereits vorformatiert. Bekannt sind Poesiealben heute vielerorts als Freundschaftsbücher. Häufig werden Fragen vorgegeben, die beantwortet werden sollen, wobei der Antwort nur eine bestimmte Zeilenanzahl eingeräumt wird. Die Fragen reichen vom Namen und dem Geburtsdatum und über Frage nach Hobbys, Lieblingsbüchern oder Lieblingsmusik bis zu der Aufforderung, dem Besitzer mitzuteilen, „Was ich dir schon immer mal sagen wollte.“ „Diese Aufforderung führe häufig zu der einfachen aber gutgemeinten Bitte: Bleib wie du bist!“, wie Klapdor hinzufügt. Die Tatsache, dass die Eintragungen im Poesiealbum, wenn sie einmal niedergeschrieben stehen, nicht wieder rückgängig gemacht werden können, führe dazu, das in diesen Alben damals wie heute ein überaus höflicher Ton herrscht.

„Poesiealben und Freundschaftsbücher geben Aufschluss darüber, wie die Menschen zu einer bestimmten Zeit in ihrem Umfeld mit Freundschaft umgegangen sind, was sie einander wünschten und mit welchen Worten sie dem jeweiligen Freund in Erinnerung bleiben wollten“, erklärt Klapdor.

Mehr zum Thema Poesiealben finden Interessierte im online-Archivportal der Volkskundlichen Kommission für Westfalen unter http://www.lwl-volkskundearchiv.org

 

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