Grimme Online Award 2013: Grimme-Institut Marl kürt Preisträger

 

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Erstmals wird mit #aufschrei ein Hashtag prämiert – Doppelte Auszeichnung für „Der Postillon“

 

Acht Webangebote wurden im Juni für ihre herausragende publizistische Qualität im Netz mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Dies gab das Grimme-Institut im Rahmen einer festlichen Gala im DOCK.ONE  bekannt.

 

Die nominierten und die prämierten Angebote belegen nach Aussage von Grimme-Direktor Uwe Kammann in sehr eindrücklicher Form die vielfältigen Möglichkeiten des Netzes. Sie reichten von virtuoser Aufklärung über nachhaltige Teilhabe, gesellschaftskritische Auseinandersetzung und engagierten Groß-Diskurs bis hin zur spielerischen Unterhaltung, aber auch bis zum berührenden Ausloten existenzieller Fragen und Lebenssituationen. Das augenblicklich vielen Bürgern so bedrohlich scheinende Netz, so Kammann, „ist immer auch ein Ort einer inzwischen unverzichtbaren publizistischen und kommunikativen Bereicherung, mit oft höchst individuellen Urhebern.“

 

Zum ersten Mal in der Geschichte des Grimme Online Award wurde mit #aufschrei ein Hashtag prämiert. In der Kategorie Spezial schafft es damit erstmals ein Diskurs auf das Siegertreppchen. Die Jury würdige „eine gesamtgesellschaftlich in aller Breite geführte Diskussion, die im Web mitgezündet wurde, bei Twitter unter dem Hashtag #aufschrei an Dynamik gewann, sämtliche Mediengrenzen übersprang. Und bis heute Menschen in ganz Deutschland (und darüber hinaus) bewegt.“

 

Die erfreuliche Entwicklung zu einer neuen Verzahnung von Off- und Online-Debattenkultur hebt die Jury in ihrem Statement ebenso lobend hervor wie den gekonnten Umgang mit der Sprache im Internet, der entgegen vieler Befürchtungen in neuen Online-Formen kultiviert werde. So sei der Jury aufgefallen, „dass es in diesem Jahr einige Nominierte gab, die besonders kreativ und einfallsreich mit der Sprache gearbeitet haben, um bekannte Inhalte aus einer anderen Perspektive zu betrachten.“

 

Ein prominentes Beispiel für den virtuosen Umgang mit Worten ist die Website  die sowohl mit dem Jurypreis in der Kategorie Information, als auch mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Über die Satireseite, auf der Stefan Sichermann täglich aktuelle Nachrichten parodiert, schreibt die Jury: „Die Ironie ist in Gefahr, in der Informationsflut zu ertrinken. Aber ‚Der Postillon‘ hat ihr ein Rettungsboot geschickt.“

 

Auf die ernsthafte und kontroverse Auseinandersetzung mit der Schweizer Politik setzt das „Politnetz“, das ebenfalls in der Kategorie Information prämiert wurde. Die eidgenössische Plattform stelle Themen und Entscheidungen des Schweizer Parlaments zur Diskussion, die zwischen Politikern und Bürgern auf Augenhöhe geführt werde. Mit diesem Preis setze die Jury „ein Zeichen für politische Partizipation im Web“.

 

Drei Preise gab es in der Kategorie Wissen und Bildung. In ihrem „Soziopod“-Podcast widmen sich Patrick Breitenbach und Nils Köbel mit einer breiten Themenauswahl dem Zwiegespräch über soziologische und philosophische Fragen. In ihren Folgen, urteilt die Jury, kämen die beiden breit gebildeten Autoren ohne Umschweife auf den Punkt, widmeten sich erst den wissenschaftlichen Grundlagen, „bleiben dann aber im Gespräch und in der Diskussion angenehm niedrigschwellig und verständlich.“

 

Das Multimedia-Special „Plan B“ der Deutschen Welle porträtiert in fünf europäischen Krisen-Ländern „selbstbewusste junge Menschen“, so die Jury, „die sich nicht aufgeben, konstruktiv mit Arbeitslosigkeit und Geldmangel umgehen und dabei erfolgreich ihren ‚Plan B‘ in die Tat umsetzen.“ Die Jury lobt die mit Humor gewürzte und liebevolle multimediale Aufbereitung des Themas, die den Betrachter emotional teilhaben lasse. Zudem lade sie zu einem tieferen Eintauchen in die Situation des Landes ein, als es die klassische Berichterstattung zu leisten vermöge.

 

Im Rahmen der vierzigminütigen ARTE-Web-Dokumentation „Alma“ schildert eine 26-jährige Gang-Aussteigerin den brutalen Alltag in ihrer Heimat Guatemala und erzählt ihre erschütternde Lebensgeschichte. Den Machern von „Alma“ gelingt es nach Auffassung der Jury auf eindrucksvolle Weise, ein vielschichtiges Thema in Erzählform zu verdichten. So erzeuge die Konfrontation von Angesicht zu Angesicht mit der Protagonistin eine beklemmende Nähe. Die Jury ergänzt: „Die Form der Aufbereitung macht das Erlebte nachvollziehbar und liefert den geeigneten Rahmen für Almas Botschaft, dass Gewalt niemals eine Lösung sein kann.“

 

In der Kategorie Kultur und Unterhaltung prämierte die Jury den 11FREUNDE Liveticker“, der zwar auch Fußballnews für Kenner, in erster Linie aber klug gemachte Unterhaltung auf höchstem Niveau biete, sogar für Menschen, die sich nicht für Fußball interessierten. In der Jury-Begründung heißt es dazu: „Die 11FREUNDE nehmen sich selbst auf die Schippe, schlagen mit leichter Hand einen Bogen zu Ereignissen in Politik und Gesellschaft, nutzen das Spiel als Projektionsfläche für ihre Schlaglichter und haben ganz offenkundig eine unbändige Spielfreude daran, die Kombinationsfähigkeiten ihres Publikums auf die Probe zu stellen.“

 

Der zweite Gewinner in dieser Kategorie, die „museumsplattform nrw“, sammelt Exponate aus 20 nordrhein-westfälischen Museen erstmals an einem zentralen digitalen Ort. Über die Grenzen der einzelnen Museen hinweg, so die Jury, schaffe die Plattform neue Ausstellungsräume: „Die Exponate lassen sich nach individuellen Kriterien anordnen, wodurch völlig neue Werkkonstellationen entstehen und ein gänzlich neuer Zugang zu Moderne und Gegenwartskunst ermöglicht wird.“

 

Beim Publikumspreis des Grimme Online Award waren fast 50.000 Stimmen eingegangen. Sieger wurde „Der Postillon“. Auf die Plätze zwei und drei wählte das Publikum den „11FREUNDE Liveticker“ und „RAPutationTV“.

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