Beteiligung von Ingenieuren an den Staatsverbrechen der NS-Zeit sowie deren mangelhafte Ahndung in der Nachkriegszeit

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Kritischer Vortrag über Albert Ganzenmüller im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern Er machte Karriere als Ingenieur bei der Bahn und bei der NSDAP. 1942 wurde er Staatssekretär im nationalsozialistischen Reichsverkehrsministerium. In dieser Funktion war Albert Ganzenmüller zentral an der Deportation der europäischen Juden beteiligt. Er prägte die Parole „Räder müssen rollen für den Sieg!“ So lautet auch der Titel eines Vortrags, zu dem der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am kommenden Dienstag, 5. März, um 19.30 Uhr in sein Industriemuseum Zeche Zollern nach Dortmund einlädt.

Dr. Alfred B. Gottwaldt vom Deutschen Technik-Museum Berlin, der ausführlich zur Geschichte der Deutschen Reichsbahn und ihrer Verstrickung in die Judentransporte geforscht hat, wird über den NS-Verbrecher sprechen. Ganzenmüller wurde 1973 vor dem Schwurgericht in Düsseldorf der Beihilfe zum Mord an Millionen jüdischer Kinder, Frauen und Männer angeklagt – das einzige Strafverfahren gegen einen Reichsbahner, der wegen der organisatorischen Mitwirkung an Deportationen von Juden angeklagt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich Ganzenmüller in Argentinien versteckt. Als er 1955 nach Deutschland zurückkehrte, hatte er die Stirn, eine Pension als Staatssekretär einzuklagen – erfolglos. Bis 1968 war er für die Hoesch AG in Dortmund tätig und dort zuständig für alle Entwicklungsaufgaben auf dem Gebiet des Transportwesens sowie die technische Abwicklung der Auslandsprojekte. Vor 40 Jahren begann in Düsseldorf der Prozess gegen „des Teufels Staatssekretär“. Durch einen Herzinfarkt entging er der Verurteilung. 1996 verstarb Ganzenmüller im Alter von 91 Jahren in München.

„Sein Lebenslauf wie der Strafprozess stehen symbolhaft für die Beteiligung von Ingenieuren an den Staatsverbrechen der NS-Zeit sowie deren mangelhafte Ahndung in der Nachkriegszeit“, so Referent Gottwaldt. Sein reich bebilderter Vortrag stützt sich auf Selbstdarstellungen Ganzenmüllers bis 1945, auf historische Unterlagen des Düsseldorfer Verfahrens, auf persönliche Hinterlassenschaften sowie auf jahrzehntelange eigene Forschungen.

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